Fr, 23. Februar 2018

Reportage

01.07.2016 09:23

Flüchtlinge: Endstation Brenner

Die strengeren Kontrollen Italiens wirken offenbar. Noch! Während vom Mittelmeer der Ansturm von Flüchtlingen zunimmt, werden am Brenner derzeit nur wenige erwischt.

Bahnhof Brenner, kurz nach 10.30 Uhr: In den Unterführungen und an den Bahnsteigen ist es ruhig, ja regelrecht menschenleer. Am Vorplatz steht ein Wagen der Carabinieri - zwei Polizisten starren auf ihre Handys, drei ziehen genüsslich an ihren Zigaretten. Von illegalen Flüchtlingen weit und breit keine Spur.

Ein paar Minuten später: Plötzlich tauchen fünf junge Afrikaner wie aus dem Nichts auf. Die italienischen Beamten scheinen sich für sie nicht zu interessieren. Die Burschen kundschaften ungestört die Lage am Bahnhof aus - und dann sind sie wieder so schnell weg, wie sie auch da waren.

Plötzlich wimmelt es nur so vor Polizisten

Gegen 11.40 Uhr kommt dann Wirbel auf. Von allen Seiten strömen plötzlich an die 30 Polizisten - sowohl italienische als auch eine Handvoll österreichische - sowie rund ein Dutzend Soldaten in die Unterführungen und an die Bahnsteige. Grund ist die Ankunft des Reisezuges, der um 12 Uhr Richtung München weiterfährt. Und auf einmal sind auch wieder die fünf Afrikaner da. Doch nun werden sie von den Polizisten genau im Auge behalten. Während sich drei Burschen unauffällig im Hintergrund halten, starten die anderen den Versuch, in den Zug zu kommen. Jedoch vergebens!

Zeitgleich marschieren mehrere Carabinieri durch den Zug und halten nach Illegalen Ausschau. Dabei wird auch jede einzelne Toilette durchsucht. Dann die "Entwarnung": Dieses Mal sind keine illegalen Flüchtlinge an Bord.

Die fünf Burschen müssen schließlich sichtlich enttäuscht mit ansehen, wie der Zug Richtung München ohne sie abfährt. Drei steigen verzweifelt in den nächsten Zug Richtung Bozen ein - die anderen zwei sind plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Sie versuchen wohl beim nächsten "Deutschland-Zug" erneut ihr Glück, wo ihnen aber mit Sicherheit das gleiche Prozedere blüht.

Polizei: Derzeit an die zehn Aufgriffe pro Tag

Generell sei das Flüchtlingsaufkommen am Brenner derzeit "überschaubar". Laut Polizei gebe es rund zehn Aufgriffe pro Tag. Die Entspannung könnte aber nur von kurzer Dauer sein. Laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex sei die Mittelmeerroute zur Zeit so stark frequentiert wie noch nie. Aus Libyen kämen 13 bis 14 Mal mehr Flüchtlinge nach Italien als aus der Türkei nach Griechenland.

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