Sa, 18. November 2017

„Ist unerträglich!“

27.06.2016 11:44

Krebspatienten warten acht Wochen auf Untersuchung

Der durchschnittliche Krebspatient muss in Österreich derzeit bis zu acht Wochen auf einen Termin in Röntgeninstituten warten. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort "durchschnittlich" - denn oft haben Patienten nur mithilfe einer Privatversicherung oder dem erhofften "Vitamin B" eine Chance, rascher die nötige Untersuchung zu bekommen. Die Krebshilfe sowie Volksanwalt Günter Kräuter sprechen von einer "skandalösen Zwei-Klassen-Medizin", die nicht mehr länger tragbar sei.

Hintergrund dieser Misere sei eine umstrittene Honorarvereinbarung zwischen Sozialversicherung und der Wirtschaftskammer, betont Doris Kiefbauer, Geschäftsführerin der Krebshilfe, im Ö1-"Morgenjournal". In den vergangenen Monaten habe sich die Situation dann deutlich zugespitzt. Insbesondere in Ostösterreich sei es unmöglich, schnell einen Termin zu bekommen. Kein Wunder, dass viele der Patienten zunehmend verzweifeln. "Das sind Menschen, die mit einer Diagnose konfrontiert sind, die lebensbedrohlich ist; die verzweifelt sind. Und sie dann so im Kreis zu schicken, das ist echt unerträglich", so Kiefbauer.

Viele Patienten versuchten daher über "Vitamin B", also nach dem Motto "Kennst du jemanden, der jemanden kennt?", an einen Termin zu kommen. Die letzte Hoffnung sei dann die für die Kranken oft nur schwer finanzierbare Privatversicherung. "Das Problem ist allen bekannt. Und welche Lösung auch immer herauskommt: Das Ziel muss sein, dass für Akutpatienten - speziell in der Onkologie - nur vertretbare Wartezeiten von ein paar Tagen, einer Woche herauskommen", fordert die Krebshilfe-Geschäftsführerin.

"Die unerträgliche Situation ist ein für alle Mal zu beenden!"
Und auch Volksanwalt Günther Kräuter sieht dringenden Handlungsbedarf: "Nachdem die verworrene Vertragssituation zwischen den Sozialversicherungen und der Wirtschaftskammer keine Lösung oder gar Zukunftsperspektive für die Patientinnen und Patienten verspricht, ist die Politik am Zug. Die Gesundheitssprecher aller Parteien werden aufgefordert, über den Sommer im Parlament eine gesetzliche Lösung zu erarbeiten."

Bis September erwartet der Volksanwalt eine zielführende Reform: "Die unerträgliche Situation, dass private Bezahlung, Privilegien oder Beziehungen bei MRT- oder CT-Untersuchungen ausschlaggebend sind, ist mit einer Gesetzesbestimmung ein für alle Mal zu beenden!"

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