Di, 21. November 2017

Langer Marsch

25.06.2016 18:16

Wanderung über Krimmler Tauern für den Frieden

Jeder Schritt erinnert an den beschwerlichen Marsch, den Tausende Juden damals auf sich nehmen mussten: Rund 200 Teilnehmer - darunter Flüchtlingsgruppen - machten sich bei der "Alpine Peace Wanderung 2016" auf den Weg über den Krimmler Tauern. Ehrengast war Marko Feingold, stolze 103 Jahre alt.

Vertriebene und Heimatlose gab es damals wie heute: Beim Friedensdialog am Freitag in der Volksschul-Turnhalle und beim Abmarsch am Krimmler Tauernhaus Samstag in aller Früh stimmte die Geschichte die Wanderer nachdenklich: Tausende Juden machten sich 1947 auf den Weg in der Hoffnung, in Genua ein Schiff in die neue Heimat Palästina zu erreichen. Die jährliche "Alpine Peace Wanderung" war auch Anlass, Parallelen zur Asylkrise zu ziehen. Der Verein "Alpine Peace" engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und ist mit zahlreichen Wissenschaftern vernetzt. Schon zum zehnten Mal betraten Wanderer in Gedenken diesen historischen Ort. Alpine Peace-Obmann Ernst Löschner bekam bei der Jubiläums-Wanderung einen Bergkristall aus dem Tauerntal überreicht.

Tour über Krimmler Tauern erinnert an jüdischen Exodus von 1947

Auch Marko Feingold von der Israelitischen Kulturgemeinde - mit seinen 103 Jahren Zeitzeuge und immer noch überaus aktiv - kam nach Krimml, nahm bei den Damen auf der Hausbank zu einem Plausch Platz und gab den rund 200 Wandereren am Tauernhaus gute Gedanken mit. Wirt Friedl Geisler empfing die Gedenkveranstaltung herzlich. Seine Großmutter war es, die damals die Vertriebenen mit Decken und Essen versorgte. Samstag um sieben Uhr früh war Start: "Das Wetter ist heute einfach perfekt", freute sich Bürgermeister Erich Czerny, als Bergfex trotz stundenlangem Marsch noch mit guter Kondition gesegnet. Nationalpark-Ranger begleiteten die Friedenswanderer. Und Flüchtlinge erzählten bei der Windbachalm aus ihrem schicksalshaften Leben. Für sie war der Weg nur bis zur hochalpinen Grenze frei. Am frühen Abend kamen die letzten Wanderer im Südtiroler Ahrntal an und stärkten sich bei einer Jause.

"Wir dürfen die Geschichte nicht vergessen", warnte auch Integrations-Botschafter Bahri Trojer (siehe Interview), enttäuscht vom EU-Ausstieg der Briten. "Es geht doch um das Friedensprojekt und das ist Europa sehr wohl geglückt."

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