Do, 23. November 2017

Brauchtum

24.06.2016 16:20

Prangstangen machen Zederhaus bunt

Ausnahmezustand im beschaulichen Zederhaus im Lungau: Beinahe alle 1200 Einwohner traf man in den letzten Tagen und Wochen beim Blumen pflücken in den Wiesen an, um die zwölf Prangstangen liebevoll zu schmücken. Am Freitag dann die festliche Präsentation der Prachtwerke bei der Prozession und in der Kirche.

"So ein schönes Wetter haben wir am Johannistag schon lange nicht mehr gehabt", schwärmte Bürgermeister Alfred Pfeifenberger nach der Prozession unter tausenden Einheimischen und Besuchern. Die Prangstangen haben eine lange Tradition. Wie lange genau weiß niemand, jedoch seit mindestens 300 Jahren. Von überall her pilgern die Menschen, um mehr über den Brauch des beschmückten Holzes zu erfahren.

Margeriten überlebten Heuschreckenplage

Damals gab es in Zederhaus eine schlimme Heuschreckenplage, die die gesamte Vegetation vernichtet hat. Einzig die Margeriten blieben auf den Feldern übrig. Die örtlichen Bauern pflückten die übrig gebliebenen Blumen, steckten sie auf Heustecken. In ihrer Not haben sie dieser Gegend dem Herrgott gelobt, jedes Jahr solche Blumenstangen zu binden, um in Zukunft von derartigen Naturkatastrophen verschont zu bleiben. Die Prangstange ist somit ein Zeichen der Fruchtbarkeit, damit alles gut wächst und gedeiht. "Mit der Zeit sind die Stangen immer höher geworden. Das Kirchenschiff ist 8 Meter hoch. Einige Stangen haben mittlerweile diese Höhe erreicht und werden mit bis zu 80.000 Blüten bunt geschmückt", erklärt der Ortschef. Was er an diesem Brauch ganz besonders schätzt: Den Zusammenhalt. "Beinahe alle 1200 Einwohner, von der Uroma bis zu den Kleinen, helfen schon zwei Wochen vor der Prozession beim Pflücken verschiedener Blumen wie Vergissmeinnicht, Mohnblüten, Frauenmantel, Bergnelkwurz oder Pfingstrosen mit und binden diese dann zu Kränzen, um sie in unterschiedlichen Farbmustern auf die Holzstangen zu wickeln. Da sind locker 30 Leute an einer Stange beschäftigt", lobt Pfeifenberger. Für diesen Brauch darf sogar der Enzian, der unter Naturschutz steht, gepflückt werden.

Dienen nach Frauentag für Raunächte

Schon am Donnerstag wurden die zwölf Prangstangen in die Kirche getragen. Zwei Träger sind pro Stange vorgesehen. Muskelarbeit, ist eine Stange bis zu 80 Kilogramm schwer. "Das schwierigste dabei ist, dass die Junggesellen die Balance halten", weiß Pfeifenberger.Bis zum Hohen Frauentag am 15. August bleiben die herrlichen Blumenstangen in der Ortskirche. Danach werden die Blüten - in der Hoffnung, dass Unwetter fern bleiben - verbrannt und dienen als Weihkräuter an den Raunachtabenden (Heilig Abend, Silvester und Vorabend zum Dreikönigstag) bei der Segnung von Haus und Hof.

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