Fr, 15. Dezember 2017

Ausstellung

24.06.2016 16:14

Die Tracht im Namen des Gesetzes

Volkskundemuseum in Hellbrunn gibt Einblicke in die lange Geschichte von Landesanzug, Dirndlkleidern & Trachtenschmuck

… das Tragen von Achselspangen und der Achselschnur zur Landestracht durch hiezu nicht berechtigte Personen wird als Verwaltungsübertretung mit Geld bis 200€ oder Arrest bis zwei Wochen bestraft.

Keine Sorge, hier stimmt die Währung nicht, korrekt müsste es Schilling heißen. Und dass heutzutage Trachtensheriffs in Biergärten unterwegs wären, um die Legitimität einer Achselspange zu checken, das ist noch nicht einmal einem Folkloredetektiv in Brüssel eingefallen. Aber was längst nimmer ist, das war einmal schon so, wie man dem Landesgesetzblatt vom 14. September 1935 (Faksimile rechts unten) entnehmen kann. Darin ist sogar der Stofftyp des Männerrocks (Loden, Tuch oder Kammgarn) vorgeschrieben. Wer sich über die Pracht der Tracht, historische Irrungen und Wirrungen oder die äußerst schmucken ärmellosen Westen, mit denen vor 100 Jahren die Pinzgauer Bauernkaiser zur Sonntagsmesse schritten, ein genaues Bild machen möchte, der ist im Refugium von Dr. Ernestine Hutter am Hellbrunner Berg bestens aufgehoben. Wobei Haferlschuhe oder anderes grobsohliges Schuhwerk für den Anmarsch anzuraten ist, will man die umfassende Präsentation zum Salzburger Landesanzug besuchen.

Salzburger haben zur Tracht einen ungezwungeren Zugang als Menschen in Oberösterreich

Gemeinsam mit Salzburg Museum-Direktor Martin Hochleitner eröffnete die Sammlungsleiterin für Volkskunde die Ausstellung, die Originaltrachten, etliche Gemälde zum Schwerpunktthema (etwa vier Landeshauptleute in der jeweiligen "Uniform") aber auch Gold- und Silberschmiedekreationen wie jene von Martin Lerch umfasst. Hochleitners persönliche Trage-Erfahrungen mit einer Trachtenjoppe sind indes interessant. "Hier in Salzburg ist eine politisch verhängnisvolle Verbindung im Sinne des Dritten Reichs praktisch kein Thema, man sieht das entspannt - in Linz wäre ich da viel vorsichtiger", sagt der Museumschef, der sich an eine lustige Episode erinnert. "Als voriges Jahr Sepp Forcher bei mir zu Gast war (dem Sepp ist auch eine Ecke in der Hellbrunner Ausstellung gewidmet) hab ich mich extra in so eine Jacke gezwängt - und dann kam Forcher in einer Art Sommerleiberl mit den Worten "heut is ma für a Trachtengwand echt z’hoaß"daher." Dass die Landestracht in Salzburg schon 1910 zu einer Regierungssache gemacht wurde, die letztlich ein Vierteljahrhundert später im Landesgesetzblatt gipfelte, führt aber die bewusste Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten ad absurdum. "Gerade Lederhosen haben aus praktischen Gründen im alpinen Raum schon Jahrhunderte früher zur Ausrüstung gehört", erläutert Ernestine Hutter, die sich mit Tradition, Manifest und Symbolik rund um die Landestracht intensiv beschäftigt hat. Auf den zwei Etagen der Ausstellung mit einem Monumentalgemälde der "Pongauerin" von Theodor Ethofer sind auch andere Bilder zu sehen, zudem die jüngeren Anzugs-Entwürfe aus der Ära von Franz Schausberger. Geschneidert von Trachtenspezialist Schneiders, einige Modelle aus den späten 90ern des 20. Jahrhunderts sind unter dem Label ’Habsburg’ immer noch gefragt.

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