So, 19. November 2017

„Krone“-Interview

25.06.2016 08:57

ORF-Chef Wrabetz über den „Feind im eigenen Bett“

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im "Krone"-Interview über seine Pläne zur Wiederwahl und die Konkurrenz im eigenen Haus.

ORF-Zentrum, Generaldirektion. Die Stimmung ist angespannt. Vor wenigen Stunden hat der kaufmännische Direktor des ORF, Richard Grasl, die Kandidatur gegen seinen Chef Alexander Wrabetz bei der Wahl zum nächsten ORF-Generaldirektor angekündigt. Wrabetz gibt der "Krone" das erste Interview. Auch er wirkt angespannt.

"Krone": Tut es besonders weh, wenn der Feind aus dem eigenen Bett kommt?
Alexander Wrabetz: Nein, denn die Kandidatur des Herrn Grasl hat mich ja nicht überrascht. Er hat das seit neun Monaten sehr intensiv vorbereitet - auch wenn früher von seiner Seite von anderem die Rede war. Ich kann ganz gut damit umgehen.

Noch kurz vor Bekanntgabe der Grasl-Kandidatur hatte Wrabetz seinen Kollegen gewarnt: "Ich hoffe, dass er sich nicht in etwas hineinreiten lässt."

"Krone": Was war die Botschaft an Grasl?
Wrabetz: Ich habe Grasl in die ORF-Geschäftsführung geholt, ihm alle Chancen gegeben. Er ist extrem gut in der Kommunikation. Ich hätte es lieber gesehen, wenn wir weiter zusammengearbeitet hätten.

Über Schwächen von Grasl will Wrabetz nicht reden. Sollte er die Wahl gewinnen, schließt Wrabetz jedenfalls aus, dass Grasl in seinem Team bleibt.

Wrabetz: Aus inhaltlichen Gründen - da sind wir zu weit entfernt. Grasl will eine kollegiale ORF-Führung - ich weiterhin, wie im Gesetz vorgesehen, einen Alleingeschäftsführer. Denn am Ende muss einer die Verantwortung übernehmen. Ich will alleine schon deswegen keine Doppelspitze, weil wir dann wieder den Regierungsparteien zugeordnet werden. Das ist ein Symbol für eine Gestrigkeit, die heute nicht mehr verziehen wird. Niemandem, und schon gar nicht dem ORF.

Je länger das Interview dauert, umso stärker geht Wrabetz auf Distanz zu seinem Herausforderer. Grasl will das ORF-Programm verjüngen...

Wrabetz: Da sieht man eben, dass er ein Finanzmensch ist und vorher in einem Landesstudio war. Eine künstliche Verjüngung bringt gar nichts - wir brauchen gezielte Angebote, die wir ja schon haben und ausbauen wollen.

Besonders stark wird die Abgrenzung zu Grasl, wenn Wrabetz über die ORF-Nachrichtenredaktionen spricht.

Wrabetz: Ich halte es falsch, wenn man mit einer zentralen Führung für Ordnung in den Redaktionsstuben sorgen will. Offensichtlich ist es Grasls Konzept, einen Wunderwuzzi aus dem Hut zu zaubern, der für alle Informationssendungen die Richtung festlegt. Das hatte der ORF bereits - und das ging schief. Wir brauchen nicht journalistische Einfalt, sondern Vielfalt - wie bei der 'Kronen Zeitung'. Wir müssen in Zukunft auf unsere journalistischen Stärken setzen - das ist wohl einer der Punkte, die Grasl und mich im Konzept unterscheiden. Und ein großes Informationsdefizit herbeizureden finde ich auch etwas übertrieben - wir haben einige Hundert der besten Journalisten des Landes. Ich finde die Kritik von jemandem, der aus dem eigenen Haus kommt, nicht besonders fair gegenüber den Kollegen.

Grasl ist der ÖVP-Mann, Wrabetz der SPÖ-Mann. Wie sehr er auch schon ein Mann von Bundeskanzler Christian Kern ist, will Wrabetz nicht beantworten.

Wrabetz: Nach meiner Vorgängerin Monika Lindner ist es mir gelungen, den ORF aus politischen Schlagseiten oder Einseitigkeiten herauszuführen. Das lasse ich mir von niemandem kaputtreden, nur weil wir gerade ORF-Wahlkampf haben. Ich selbst bin ja immer auch von der SPÖ stark kritisiert worden. Ich habe in meinem Büro die Ordner mit den Beschwerden der Parteien über den ORF - die Ordner von SPÖ- und ÖVP-Seite sind gleich dick.

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