Fr, 15. Dezember 2017

"Tatort Internet"

23.06.2016 09:47

Online-Tieranzeigen im Visier der "Vier Pfoten"

Immer mehr Menschen in Österreich kaufen Tiere über Online-Plattformen. Gleichzeitig häufen sich Betrugsfälle und Fälle von Tierquälerei im Zusammenhang mit dem Internet-Tierhandel. Zum Start der neuen Kampagne "Tatort Internet" hat die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" bei den gängigen Online-Plattformen tieranzeigen.at, bazar.at, willhaben.at und bazos.at genau nachgefragt, wie ihre Policy für Tieranzeigen lautet und was sie konkret unternehmen, um Missbrauch und Kriminalität vorzubeugen.

Fazit: Die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen war hoch, allerdings erfüllt keine Plattform die von "Vier Pfoten" entwickelten Tierschutzkriterien zur Gänze. Die meisten Punkte erhielt tieranzeigen.at, abgeschlagenes Schlusslicht ist bazos.at. Vor allem die Unternehmen mit einer schlechteren Beurteilung haben Bereitschaft zu Verbesserungen bekundet. Erfreulich: Das österreichische Unternehmen www.tieranzeigen.at liegt auf Platz 1 von allen 42 getesteten Plattformen in zehn Ländern und ist auch die einzige Webseite, die mit "Grün" eingestuft worden ist.

Tierschützer entwickelten Kriterienkatalog
"Wir haben einen sehr konkreten Kriterienkatalog ausgearbeitet, den wir den Plattformen vorgelegt haben", erklärt Martina Pluda, Kampagnenleiterin von "Vier Pfoten". "Anhand der Antworten kann man erkennen, wie ernst die Unternehmen sowohl Tier- als auch Konsumentenschutz nehmen." Die Kriterien beinhalten die genaue Überprüfung der Verkäufer, verpflichtende Angaben zum Tier selbst wie etwa über Gesundheit, das exakte Alter etc. sowie eine genaue Auflistung aller Tiere, die nicht verkauft werden dürfen. Zu letzteren gehören etwa Primaten, zahlreiche Wildtiere, trächtige sowie zu junge Tiere.

Konsumenten sollen Plattform-Richtlinien vergleichen
Die Konsumenten sollen laut den Tierschützern mit dem Vergleich der Plattformen eine gewisse Orientierung und ein Bewusstsein bekommen, welche Überlegungen im Zusammenhang mit Tierschutz, aber auch mit Betrugsbekämpfung wichtig sind. Martina Pluda: "Wir können leider nicht verhindern, dass Tiere in Österreich oder sonst wo online erworben werden. Es ist uns aber wichtig, dass Tiere nicht einfach als Ware gesehen werden, sondern als fühlende Wesen. Die Leute müssen wissen, dass hier extrem viel Missbrauch passiert."

Immer mehr illegaler Welpenhandel
In den letzten Jahren haben die "Vier Pfoten" selbst immer wieder Fälle illegalen Online-Welpenhandels in Österreich aufgedeckt; zuletzt waren die Tierschützer im Februar  in Oberösterreich an der Überführung eines Welpenhändler-Pärchens maßgeblich beteiligt.

Betrugsfälle und kranke Tiere
Für die international laufende Kampagne "Tatort Internet" hat der Verein Recherchen in zehn Ländern durchgeführt, um die Risiken des Online-Tierhandels für Mensch und Tier aufzuzeigen. Auch in Österreich waren Käufer immer wieder mit Betrugsfällen konfrontiert; oft starb das neu erworbene Tier nach wenige Tagen, oder es erwies sich als gefährlich, wie es etwa bei manchen exotischen Arten der Fall ist. Auch Tiere, deren Haltung in Österreich illegal ist, sind online erhältlich.

Nützliche Infos vor dem Kauf
"Es gibt unzählige Probleme", fasst es Pluda zusammen. "Mangelnde Beratung, dubiose Quellen und Tierquälerei sind aber die gravierendsten." Sämtliche relevanten Informationen zum Thema und viele nützliche Tipps für Konsumenten stellen die "Vier Pfoten" übrigens unter www.petdeception.org/at zur Verfügung. Bevor man ein Haustier im Internet kauft, sollte man sich auf den Webseiten der umliegenden Tierschutzhäuser umsehen. "Unzählige Vierbeiner warten dort auf liebevolle Besitzer", sagt Martina Pluda.

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