Sa, 18. November 2017

Attentat schockt GB

17.06.2016 15:33

Wer ist der Mörder von Brexit-Gegnerin Jo Cox?

Nur wenig ist bekannt über jenen Mann, der im Verdacht steht, die britische Labour-Abgeordnete und Brexit-Gegnerin Jo Cox durch Messerstiche und Schüsse getötet zu haben. Nachbarn und Angehörige beschreiben den 52-Jährigen, der laut Medienberichten Thomas oder Tommy Mair heißt, als zurückgezogen lebenden Einzelgänger mit einer Leidenschaft fürs Gärtnern. Laut seinem Halbbruder hat Mair psychische Probleme, allerdings sei er keineswegs gewalttätig oder politisch interessiert.

Laut Augenzeugenberichten soll der Mann, der am Donnerstag die 41-jährige Cox in ihrem Wahlkreis bei Leeds in Nordengland angriff, "Britain first" (Großbritannien zuerst) gerufen haben. Das ist der Name einer nationalistischen Gruppierung, die sich selbst als "patriotische politische Partei" bezeichnet. Ihre Vizechefin Jayda Fransen distanzierte sich von dem Mordanschlag, den sie als "absolut abstoßend" bezeichnete. In Großbritannien läuft derzeit ein teils erbitterter Wahlkampf: Am 23. Juni stimmen die Briten über den Ausstieg aus der EU ab.

Drohungen gegen Labour-Politikerin
In den vergangenen Monaten soll es laut einem Bericht der britischen "Times" mehrere Drohungen gegen Cox gegeben haben. Aus diesem Grund seien auch zusätzliche Vorkehrungen zu ihrem Schutz getroffen worden. Kritiker meinten, die Sicherheitsmaßnahmen im Parlament in London seien zwar erheblich, es sehe aber anders aus, wenn sich die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen bewegten.

Nachbarin: "Er war immer sehr hilfsbereit"
Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei in der Nähe des Tatorts festgenommen. Dabei wurden Waffen sichergestellt - darunter eine Schusswaffe. Diane Peters, die Tür an Tür mit Thomas Mair lebte, sagte, sie sei am Boden zerstört. "Er war immer sehr hilfsbereit", sagte die 65-Jährige zur Nachrichtenagentur Reuters. "Ich habe ihn noch am Tag davor gesehen. Ich brachte meine Katzen zum Tierarzt und er kam rüber und fragte, wie es ihnen geht."

Einzelgänger mit Leidenschaft für Gartenarbeit
Seiner Nachbarin zufolge gab Mair Ausländern für einige Jahre Englisch-Unterricht. Aufgewachsen sei er bei seinen Großeltern, seine Mutter lebe in einem örtlichen Pflegeheim. Nachbarn sagten anderen Medien, sie wüssten nicht, dass Mair einen Job habe oder Auto fahren würde. "Er lebt hier schon länger als ich, und ich bin hier seit 1975", wurde David Pickles zitiert. "Er ist für sich geblieben." Er habe nie viele Besucher gesehen. Mair habe eine Leidenschaft für das Gärtnern gehabt und sich um die Gärten einiger Menschen gekümmert.

US-Organisation weiß von Verbindungen zu Neonazis
Medien brachten einen Mann mit dem Namen Thomas Mair aus Batley in Verbindung mit rechten Gruppen im Ausland. Dieser Name sei 2006 in einem Internet-Rundschreiben einer Gruppe genannt worden, die zur Rückkehr zur Rassentrennung in Südafrika aufgerufen habe. Bürgerrechtsaktivisten in den USA teilten mit, sie hätten Daten, wonach ein Mair zur Neonazi-Organisation "National Alliance" Kontakte habe. Er habe dort im Mai 1999 Bücher bestellt - darunter eine Anleitung zum Bau einer Pistole.

"Er hat nie irgendwelche Ansichten über Großbritannien, über Politik oder rassistische Tendenzen geäußert", sagte Mairs Halbbruder Duane St. Louis der "Sun". "Ich bin gemischtrassig und sein Halbbruder, wir kamen gut klar." Über die psychischen Probleme des mutmaßlichen Attentäters sagte der Halbbruder, dieser habe einen Waschzwang: "Er hat sich mit Brillo-Pads gewaschen" - in Großbritannien ist das eine bekannte Marke für mit Seife getränkte Topfreiniger aus Stahlwolle.

Ehrenamtliche Arbeit als Therapie?
Der "Guardian" berichtete, 2011 sei Mair in einer Lokalzeitung als freiwilliger Helfer in einem nahe gelegenen Landschaftspark abgebildet gewesen. Ein Jahr zuvor sei er in einem anderen Blatt mit der Aussage zitiert worden, er habe nach dem Besuch einer Tagesstätte für Erwachsene mit psychischen Problemen mit ehrenamtlicher Arbeit begonnen. "Ich kann ehrlich sagen, das hat mir besser geholfen als alle Psychotherapie und Medikamente der Welt", wurde Mair damals zitiert.

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