Sa, 25. November 2017

Die „Frosch“-Stimme

16.06.2016 11:22

Country-Poet Kris Kristofferson wird 80

Zum Geburtstag macht sich Kris Kristofferson selbst das größte Geschenk: Ein neues Album namens "The Cedar Creek Session" und eine Tour. Bis Ende des Jahres wird die Songwriter-Legende in ganz Nordamerika und Skandinavien auftreten. Seinen 80. Geburtstag am kommenden Mittwoch (22. Juni) feiert Kristofferson bei einem Konzert in Lawrence im US-Bundesstaat Kansas.

Wenn er nicht auf der Bühne stehe, mähe er am liebsten den Rasen seines Anwesens auf Hawaii, sagte Kristofferson jüngst dem US-Radiosender NPR. "Das ist meine Therapie. Auf meinem Rasentraktor kann mir keiner was." Der Musiker ist zurück. Jahrelang hatte Kristofferson gegen Gedächtnisverlust gekämpft, darüber geschrieben und sein letztes Album "Feeling Mortal" (auf Deutsch etwa: "Ich fühle mich sterblich") genannt. Dann diagnostizierte endlich ein Arzt Borreliose und behandelte die Krankheit. "Auf einmal war er wieder da", sagte Kristoffersons Frau Lisa dem "Rolling Stone". "Es gibt immer noch schlechte Tage, aber an manchen Tagen ist er ganz normal und es ist einfach zu vergessen, dass er da gegen etwas gekämpft hat."

Erfolgreicher Frosch
Seine Konzerte beginnt Kristofferson nach wie vor immer mit dem Song "Shipwrecked In The 80's". Aus Aberglauben, das Lied soll ihm Glück bringen. Dass er überhaupt selbst als Sänger mit seinen Songs tourt und Hallen füllt, überrascht wohl ihn selbst am meisten. "Jeder Künstler, der meine Songs gesungen hat, hat das besser gemacht als ich", sagte Kristofferson einmal. "Ich singe wie ein Frosch." Die "New York Times" sah das ähnlich: "Mr. Kristofferson ist über drei Akkorde nie hinausgekommen." Trotzdem lieben ihn die Fans, für die der singende Poet mit seiner Gesellschaftskritik und Melancholie das gebrochene Lebensgefühl der Vietnam-Generation verkörpert.

Geboren wurde der Enkel schwedischer Einwanderer 1936 in Brownsville ganz im Süden von Texas. Mit einem Stipendium für Hochbegabte studierte er im britischen Oxford und wollte zunächst Schriftsteller werden. Als er damit keinen Erfolg hatte, wurde er Hubschrauberpilot beim US-Militär und war von 1962 bis 1965 in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) stationiert.

Alles oder nichts
Danach sollte er an der berühmten Militärakademie West Point bei New York Literatur unterrichten, doch er folgte seinem Herzen und ging in die Hochburg der Countrymusik, nach Nashville. "Die ganze Sache verblüfft mich immer noch", sagte Kristofferson dem "Rolling Stone". "Ich war auf dem Weg in ein komplett anderes Leben. Und plötzlich habe ich meine ganze Zukunft, meine Familie und alles andere dem untergeordnet. Das war ziemlich angsteinflößend."

Seine Mutter war entsetzt und sprach jahrelang kein Wort mehr mit ihrem Sohn. "Sie hat gesagt, dass ich eine Schande für die Familie bin. Ich habe ihnen stolze Momente gegeben, zum Beispiel mit meinem Stipendium, aber sie sagte: 'Das wird niemals die riesige Enttäuschung aufwiegen, die du schon immer warst.' Warum sagt man so etwas zu seinem Kind?" Auch Kristoffersons erste Ehe zerbrach an Nashville.

Erfolg wider Willen
Dort scheuerte er zunächst im Studio die Böden, während Bob Dylan Aufnahmen machte. Um Johnny Cash von seinem Talent zu überzeugen, landete Kristofferson mit einem Hubschrauber in dessen Garten. "Ich wusste eine lange Zeit nicht, ob ich jemals Songs verkaufen würde. Ich habe mir dann gesagt, dass ich es für mich mache und für all die Befriedigung, die ich daraus ziehen kann. Aber irgendwann konnte ich dann doch davon leben." Bald steht Kristofferson neben Dylan auf der Bühne und schreibt einen Hit nach dem anderen, darunter "Sunday Morning Coming Down" und "Help Me Make It Through The Night". "Schließlich stand ich mit all meinen Helden auf der Bühne. Es war unglaublich." Zudem wurde er zum gefeierten Filmstar.

Drei Jahre nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Rita Coolidge heiratet Kristofferson 1983 die Anwältin Lisa Meyers, mit der er bis heute zusammen auf Hawaii lebt. Gemeinsam haben sie fünf Kinder und Pflegekinder. "Er lässt sich nicht managen", sagt seine Frau über ihn. "Sogar wenn ihm jemand sagt, dass er einen guten Tag haben soll, antwortet er: 'Sag mir nicht, was ich machen soll.'" Für seinen Abschied irgendwann hat Kristofferson vorgesorgt und sich eine Songzeile von Leonard Cohen für seinen Grabstein ausgesucht: "Like a bird on the wire, like a drunk in a midnight choir, I have tried in my way to be free."

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