Di, 17. Oktober 2017

Heftige Kämpfe

11.06.2016 15:08

Libysche Armee in IS-Hochburg Sirte auf Vormarsch

Mit einem überraschend schnellen Vormarsch auf die Küstenstadt Sirte haben libysche Streitkräfte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Bedrängnis gebracht. Die Truppen der "Regierung der Nationalen Einheit" übernahmen in der Nacht nach heftigen Kämpfen die Kontrolle über den Hafen sowie über angrenzende Stadtviertel, wie der Regierungsvertreter Reda Issa am Samstag sagte.

Sirte ist die wichtigste Basis des libyschen Ablegers der IS-Miliz. Die Dschihadisten hatten sich 2014 in der Heimatstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadafi festgesetzt und die Stadt vor einem Jahr vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die Extremistengruppe hatte dabei vom allgemeinen Chaos profitiert, das in Libyen seit dem Volksaufstand herrscht, der im Herbst 2011 zum Sturz und Tod Gadafis führte.

Mit Luftunterstützung in Sirte eingedrungen
Die Kräfte der kürzlich mit UNO-Unterstützung gebildeten "Regierung der Nationalen Einheit", die vorwiegend aus Milizen aus der Küstenstadt Misrata bestehen, waren am Mittwoch mit Unterstützung von Luftwaffe und Artillerie nach Sirte vorgedrungen. Laut Issa haben die Regierungstruppen nun die Dschihadisten in einem rund fünf Quadratkilometer großen Gebiet zwischen dem Norden und dem Zentrum der Stadt eingekreist. Die Regierungstruppen flogen seit Beginn ihrer Offensive im Mai rund 150 Luftangriffe auf IS-Ziele.

Bei den Kämpfen am Freitag wurden laut Issa auf der Seite der Regierungstruppen elf Kämpfer getötet und 45 verletzt. Am Samstag seien bei einer Gegenoffensive des IS zwei Kämpfer der Regierungstruppen getötet worden. Die meisten Einwohner hätten die Stadt inzwischen verlassen, aber rund 30.000 seien geblieben. Der UN-Sondergesandte für Libyen, der deutsche Diplomat Martin Kobler, erklärte, er sei "beeindruckt" von den "raschen Fortschritten" der Regierungstruppen beim Zurückdrängen des IS.

Rund 5000 IS-Kämpfer in Libyen
Ausländische Geheimdienste schätzen die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen insgesamt auf rund 5000. Unklar ist jedoch die zahlenmäßige Stärke der IS-Einheiten in Sirte. Ein AFP-Korrespondent berichtete am Samstag über nachlassende Straßenkämpfe in der Hafenstadt.

Libyen ist trotz der Bildung der "Regierung der Nationalen Einheit" Ende März weiterhin ein gespaltenes Land. Der Osten des Landes wird von einer Vielzahl von Milizen beherrscht, die der Kontrolle des umstrittenen Generals Khalifa Haftar, Armeechef der einst international akzeptierten Regierung in Tobruk, unterliegen. Diese erkennt die "Einheitsregierung" weiterhin nicht an, eine dafür nötige Abstimmung im Parlament wurde bereits mehrfach verschoben. Sowohl die "Regierung der Nationalen Einheit" als auch Haftars Truppen kämpfen gegen den IS.

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