Di, 17. Oktober 2017

Neue Brexit-Umfrage

11.06.2016 15:17

55 Prozent der Briten für Austritt aus der EU

Knapp zwei Wochen vor der Volksabstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union liegen die Befürworter eines Austritts (Brexit) in einer neuen Umfrage deutlich voran. In einer am Freitagabend vom Institut ORB veröffentlichten Online-Befragung unter 2000 Personen für den "Independent" kommen die Befürworter eines Brexit auf 55 Prozent, 45 Prozent der Befragten sprachen sich für einen weiteren Verbleib in der EU aus.

Die meisten Umfragen zeigen vor dem Referendum am 23. Juni allerdings ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Befürwortern und Gegnern des EU-Austritts. Premierminister David Cameron wirbt für einen Verbleib seines Landes in der Europäischen Union und bezeichnet einen Austritt als "Sprung in die Dunkelheit". Den vom Euroskeptiker Nigel Farage und dem konservativen früheren Londoner Bürgermeister Boris Johnson angeführten Brexit-Befürwortern wirft er vor, kein schlüssiges Konzept für die Zeit nach dem EU-Austritt zu haben.

Labour steigt in Kampf um EU-Verbleib ein
Nach Wochen der Zurückhaltung kämpfen nun auch führende Politiker der oppositionellen Labour-Partei für den Verbleib ihres Landes in der EU. Das Referendum sei kein Stimmungstest für Premier Cameron, sondern "eine Entscheidung, die unser Land jahrzehntelang gestalten wird", sagte Ex-Labour-Chef Ed Miliband am Freitag der BBC. Brexit-Wortführer Farage von der rechtspopulistischen UKIP warf er vor, Labour-Wähler "zu betrügen", weil ein EU-Aus Arbeiterrechte "fortspülen" würde.

Labour-Chef Jeremy Corbyn wird vorgeworfen, nicht energisch genug gegen den Brexit zu kämpfen, damit sich Tories-Chef Cameron eine blutige Nase holt, wenn die Briten am 23. Juni für den EU-Austritt stimmen. "Manche Labour-Wähler wissen nicht, wo wir im Moment stehen", räumte Miliband ein. Labour-Anhänger sind Umfragen zufolge zu 61 Prozent gegen den Brexit. Ihre Motivation, in zwei Wochen zur Abstimmung zu gehen, ist Umfragen zufolge aber besonders gering.

Der innenpolitische Sprecher der Labour-Partei, Andy Bornham, räumte gegenüber der BBC ein, dass sich die Parteiführung bisher nicht ausreichend um die traditionelle Basis gekümmert habe. "Jetzt stehen wir zwei Wochen vor der sehr reellen Aussicht, dass Großbritannien für die Isolation stimmen wird."

Staubsauger-Erfinder Dyson verstärkt Austrittslager
Die Brexit-Befürworter haben am Freitag prominente Unterstützung bekommen: Der Erfinder des beutellosen Staubsaugers, James Dyson, spricht sich für einen Austritt seines Landes aus der EU aus. Großbritannien könne außerhalb der EU "mehr Wohlstand und mehr Jobs" schaffen, sagte der Selfmade-Milliardär der Zeitung "Daily Telegraph".

Vor allem werde Großbritannien durch einen Austritt aus der Europäischen Union "die Kontrolle über sein Schicksal" wiedererlangen. "Und ich glaube, dass Kontrolle die wichtigste Sache in Leben und Wirtschaft ist." Als "Blödsinn" wies er Warnungen von EU-Befürwortern zurück, wonach ein Austritt den Außenhandel des Landes negativ treffen würde. Sollte die EU tatsächlich Zölle einführen, "werden wir im Gegenzug dasselbe machen. Die EU würde dann wirtschaftlichen Selbstmord begehen, weil wir für 100 Milliarden Pfund (127 Milliarden Euro) importieren und nur für zehn Milliarden Pfund (12,7 Milliarden Euro) ausführen", verwies Dyson auf den massiven Handelsbilanzüberschuss der EU-Staaten mit Großbritannien.

Der Großteil der großen britischen Unternehmen wirbt allerdings, wie auch die EU-Partner, die USA und einflussreiche internationale Wirtschaftsinstitutionen wie der Internationale Währungsfonds, für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Auch die britischen Gewerkschaften haben vor einem Verlust von Millionen Jobs durch einen EU-Austritt gewarnt.

13 britische Nobelpreisträger gegen Brexit
Am Samstag haben sich 13 britische Nobelpreisträger in einem offenen Brief gegen einen Brexit ausgesprochen. In ihrem in der Tageszeitung "Daily Telegraph" veröffentlichten Schreiben erklärten sie, der Wegfall der Förderungen durch die Europäische Union berge für die britische Forschung "eine große Gefahr".

"Wissenschaft ernährt unseren Wohlstand, unser Gesundheitssystem, unsere Fähigkeit zur Innovation und unser Wirtschaftswachstum", heißt es in dem Aufruf der Nobelpreisträger, zu denen der Physiker Peter Higgs und der Biochemiker Paul Nurse gehören. Es wäre "naiv", den Versicherungen der Brexit-Anhänger Glauben zu schenken, wonach wegfallende EU-Mittel aus britischen Steuergeldern ersetzt würden.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden