Mo, 20. November 2017

Klaus Lindenberger:

09.06.2016 18:45

„Bin stolz, Teil dieses Teams zu sein!“

Als Tormanntrainer unseres Teams ist  Klaus Lindenberger (59)  bereits zum zweiten Mal bei einer Fußball-EM. Der "Krone" verriet er im folgenden Interview, dass er ohne Scheich Zayed Al Nahyan kaum mit Österreichs Team nach Frankreich fahren hätte können.

Bei Großereignissen sind Sie Österreichs eindeutige Nr.1. Sie waren 1982 und 1990 als Spieler bei  der WM und sind nun als Tormanntrainer mit unserem Team bei der zweiten EURO.   Was hat sich geändert?
Jetzt einmal abgesehen vom Fußballerischen auf jeden Fall die Professionalität. Im Umfeld wird  viel akribischer und genauer gearbeitet. Das eigene Spiel und die  Gegner werden bis ins kleinste Detail analysiert und zerlegt. Jedes Team weiß vom Gegner heutzutage alles. Aber: Nicht zu unterschätzen sind die Zuschauer
Wie meinen Sie das jetzt?
Der Enthusiasmus, der bei den  österreichischen Fans herrscht, könnte ein Plus sein. Was ich so höre, erwarte ich in Frankreich eine rot-weiß-rote Invasion. Unsere Kicker genießen echten Kultstatus, und die Euphorie ist durch die erfolgreiche Qualifikation eine viel größere, als es etwa im Vergleich bei der Heim-EM 2008 war. Das erzeugt auch bei mir Gänsehaut, und ich bin logischerweise stolz, ein kleines Teilchen dieses  Teams sein zu dürfen.
In dem Sie für Einsergoalie Robert Almer und dessen Ersatzleute Ramazan Özcan und Heinz Lindner verantwortlich sind. Wie halten Sie das Trio denn in Schuss?
Da geht es in erster Linie um Feinabstimmung, den Fluss und die Spritzigkeit. Jeder ist eine eigene Persönlichkeit, daher gibt es kein wirkliches Pauschalrezept. Andererseits kann man den Burschen Selbstvertrauen suggerieren und sie richtig aufbauen, da ist es hilfreich, selbst gespielt zu haben.
Wobei Tormännern nachsagt wird - und das bitte nicht falsch verstehen -, dass sie einen Knall haben müssen.
Das ist sicher so - kann aber positiv gemeint sein. Der Vogel, den jeder hat, ist nicht am Fußballplatz erkennbar. Wenn man sich aber vorstellt, dass man sich gegen einen Ball werfen muss, vor dem ein Nicht-Fußballer eigentlich in Deckung gehen möchte, muss man einen Vogel haben.
Erfahrung haben Sie auch sechs Jahre als Trainer in Abu Dhabi gesammelt, feierten  mit dem Klub Al Wahda auch sehr große Erfolge. Wohl ein spezielles Erlebnis?
Josef Hickersberger, der damals bei Al Wahda Cheftrainer war, hat mich  sozusagen dazu überredet. Wer dort Meister wird, genießt großes Ansehen - auch als Tormanntrainer. Wir waren auch bei der Klub-Weltmeisterschaft dabei. Doch trotz dieser Erfolge war  es im Vorjahr nicht einfach, fürs Nationalteam aus meinem Vertrag herauszukommen. Dafür musste ich mit dem Vereinspräsidenten Scheich Zayed direkt verhandeln.
Das hört sich ja fast nach einer Mission impossible an.
Das war es zu Beginn, da gab es ein ganz klares Nein vom Scheich. Aber so schnell habe ich nicht aufgegeben. Bei meinem allerletzten Versuch war seine Stimmung gut, und ich musste ihm nach langen und sehr zähen Verhandlungen das Versprechen geben, falls ich je wieder nach Abu Dhabi als Trainer komme, dann nur bei seinem und bei keinem anderen Klub.
Inwiefern hat Sie Abu Dhabi persönlich verändert?
Man wird auf alle Fälle ruhiger, weil das Leben nicht so hektisch ist. Daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Und es ist ein sehr liebenswertes Land, von der Einstellung gegenüber Ausländern können wir uns eine Scheibe abschneiden. Für mich ist es mittlerweile zur zweiten Heimat geworden.
Haben Sie denn in der Ferne auch Ihr "Sonnyboy-Image" abgelegt?
Im Alter denkt man über  gewisse Dinge ganz anders. Heute genieße ich lieber ein gutes Essen, gehe ins Kino oder bleibe einfach nur zu Hause, statt in irgendwelchen Lokalen rumzusitzen.  
Zurück zur EM. Wie ist  kurz vor unserem Match gegen die Ungarn Ihr   Eindruck  von der Mannschaft?
Sehr gut! Denn die beiden Vorbereitungsspiele gegen Malta und Holland sollten nicht so überbewertet werden. Ich  bin mir ganz sicher, dass, wenn das Turnier für uns richtig losgeht,  auch die Konzentration der Spieler  viel höher sein wird.
Gretchenfrage zum Finale: Wie weit kommt Österreich?
Wir haben  große Qualität in der Mannschaft, aber wir wissen, im Fußball kann immer viel passieren. Falls das Glück ein wenig auf unserer Seite ist, könnte  das Achtel- oder sogar Viertelfinale möglich sein. Das können wir natürlich nicht versprechen, dafür geben werden wir aber hundert Prozent.

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