Di, 24. Oktober 2017

Wohnoffensive in D:

09.06.2016 17:20

„Leute brauchen nicht mehr als 30 Quadratmeter“

Single-Boom und Flüchtlingskrise lassen in Deutschland den Wohnraum knapp werden. Deshalb will Bauministerin Barbara Hendricks die Vorschriften für Neubauten drastisch lockern. Ihr Ziel: Mini-Wohnungen statt Hightech-Luxustürme. "Junge Leute brauchen doch meist nicht mehr als 30 Quadratmeter Wohnfläche, weil sie ja hauptsächlich zum Schlafen in ihren Wohnungen sind", sagte Hendricks am Donnerstag gegenüber der "Welt".

So sollen laut der SPD-Ministerin mehr Wohnungen in kürzerer Zeit zu günstigeren Preisen entstehen. Das gegenwärtige Normungswesen sei in Deutschland nämlich ein "riesiger Kostentreiber". Es gebe inzwischen 20.000 Normen in der Bauwirtschaft, 1990 seien es lediglich 5000 gewesen. Die Stellplatzregeln für Autos etwa seien ein unnötiger Kostentreiber, denn "viele Leute in den Städten fahren heute gar kein Auto mehr".

Mini-Wohnungen statt Hightech-Türme wie in Japan
Gleichzeitig soll die Ausstattung der neuen Wohnungen nicht so kompliziert sein wie etwa in Japans Hightech-Wohntürmen. "Dort gibt es eine ausgefeilte, hoch technisierte Toiletten- und Badkultur", sagte Hendricks. "Das führte dazu, dass ich meine Lesebrille mitnehmen musste, wenn ich die Toilette benutzen wollte. Und ich musste in der Dusche feststellen, dass diese Hightech-Ausstattung überhaupt nicht mehr zu gebrauchen ist."

"Konkurrenz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen verhindern"
Die hohe Zuwanderung macht nach Einschätzung von Hendricks den verstärkten Bau bezahlbarer Wohnungen unerlässlich. "Ich will verhindern, dass es zu Konkurrenz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen auf dem Wohnungsmarkt kommt", sagte die Ministerin. "Wir brauchen 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen pro Jahr." Bezahlbare Wohnungen seien eine "zentrale Voraussetzung" für das Gelingen von Integration - "nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle".

Laut einer Studie des Instituts für Wohnungswirtschaft werden in Deutschland jährlich 400.000 Wohnungen benötigt. Die Zahl der Sozialwohnungen ist landesweit seit 2002 von 2,5 Millionen auf inzwischen nur noch rund 1,5 Millionen gesunken. 2014 wurden lediglich 245.325 Wohnungen gebaut, darunter rund 12.500 Sozialwohnungen.

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