Mi, 18. Oktober 2017

krone.at-Ratgeber

05.06.2016 09:00

So kommen Sie zu Ihrem perfekten EM-Fernseher

Die EM steht vor der Tür. Ab 10. Juni regiert für viele Österreicher ein Monat lang König Fußball und nicht wenige nutzen das sportliche Großereignis für ein Fernseher-Upgrade. Doch es gibt ein Problem. 4K, HDR, Quantum Dots, OLED, Smart-TV: Die Industrie hat in den letzten Jahren Fernseher mit vielen neuen Features auf den Markt gebracht, doch nicht jeder kann etwas mit all diesen technischen Finessen anfangen. Worauf es wirklich ankommt, erklären wir Ihnen im großen krone.at-Ratgeber zum Fernseherkauf.

Eines gleich vorweg: Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, einen 4K-Fernseher anzuschaffen, um die Spiele in bisher unerreichter Bildqualität zu genießen, werden Sie von der EM 2016 enttäuscht werden. Extrem scharfe 4K-Ausstrahlungen wird es nämlich weder beim ORF noch beim Privatsender ATV geben, der sechs Parallelspiele überträgt, die es im ORF nicht zu sehen geben wird.

Fußball in 4K: Nicht im österreichischen TV
Beide Sender übertragen in HD-Auflösung: Beim ORF eigenen Angaben zufolge in 720p, bei ATV in 1080i. Der ORF sendet also in einer Auflösung von 1280 mal 720 Pixeln bei einer Bildrate von 50 Vollbildern pro Sekunde, ATV sendet in einer Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln, allerdings nicht mit 50 Vollbildern pro Sekunde, sondern im Zeilensprungverfahren, bei dem Bildzeilen am TV-Gerät abwechselnd bespielt werden. Von der extrascharfen 4K-Auflösung von 3840 mal 2160 Pixeln sind also beide Sender noch weit entfernt.

Das heißt nicht, dass man von den mittlerweile im erschwinglichen Preisbereich angelangten 4K-Fernsehern nichts hätte. Wer gerne streamt, kann bei Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime - einen entsprechend leistungsfähigen Internetanschluss vorausgesetzt - bereits 4K-Material bewundern, erste Blu-ray-Filme in entsprechender Auflösung scharren ebenfalls in den Startlöchern. Bis 4K auch im normalen TV flächendeckend eingesetzt wird, dürften aber noch Jahre vergehen. Beim ORF beispielsweise wird man laut hdaustria.at erst 2018 damit starten.

Nicht nur Auflösung bringt mehr Bildqualität
Fußball-Fans, die angesichts des Rückstands der TV-Sender an der Auflösungsfront verunsichert sind, sei gesagt: Nicht nur Pixel erhöhen die Bildqualität, sondern auch Bildschirmtechnologien - und zwar auflösungsunabhängig. Das haben auch die TV-Firmen erkannt und in den letzten Jahren mehrere interessante Technologien auf den Markt gebracht, die bei gleicher Auflösung hübschere Bilder liefern.

LG und Panasonic buhlen mit OLED-Fernsehern um die Gunst der Kunden. Sie bieten dank selbstleuchtender organischer Leuchtdioden unschlagbare Kontrastwerte, sattestes Schwarz und kräftige Farben. Unglücklicherweise sind sie sehr teuer. LGs günstigste Full-HD-Modelle mit 55 Zoll Diagonale gibt's laut Online-Preisvergleich ab 1600 Euro, 4K-Auflösung erst ab 2300 Euro. Größere Geräte mit 65 und mehr Zoll Diagonale treiben den Preis schnell auf 4000 Euro und mehr hoch. Grund für die hohen Preise bei OLED-TVs sind die hohen Fertigungskosten der neuen Technologie.

Quantenpunkte und Phosphor verbessern das Bild
Bessere Farben und höhere Kontraste gibt's aber nicht nur mit OLED-Bildschirmen, sondern mit gewissen Tricks auch bei Geräten, die auf klassischer LCD-Technologie basieren. Einer dieser Tricks sind Quantenpunkte. Dabei handelt es sich um eine dünne Schicht mit winzigen Kristallen, die auf dem TV-Panel aufgebracht wird und für eine höhere Farbvarianz sorgt. Diese Technologie wird etwa von LG, Samsung und Sony eingesetzt.

Panasonic hat mit seinem Wide-Colour-Phosphor-Panel eine ähnliche Technologie am Start, Local Dimming - also das stellenweise Abschalten der Hintergrundbeleuchtung - hilft bei beiden Technologien dem Kontrast auf die Sprünge. Farbdarstellung und Kontrast können zwar trotzdem nicht mit OLED mithalten, dafür gibt's Fernseher mit Quantum-Dot-Display auch bereits im Preisbereich unter tausend Euro - mit 4K-Auflösung, wohlgemerkt.

HDR und 4K: Wenig Inhalte, aber erschwingliche Geräte
HDR ist ein weiteres Feature, das die Bildqualität verbessert. In der Fotografie kennt man diese Technologie schon länger: Sie erhöht die Farbvarianz und sorgt für feinere Verläufe, liefert also - entsprechendes Eingangsmaterial vorausgesetzt - deutlich natürlichere Bilder. Leider verhält es sich mit HDR bislang wie mit 4K: Die Endgeräte sind schon da, die Inhalte noch rar.

Trotzdem gilt für HDR wie für 4K: Wenn Sie jetzt einen neuen Fernseher kaufen, können die neuen Technologien trotz fehlender Inhalte sinnvoll sein, schließlich werden in den kommenden Jahren zunehmend mehr Filme und Serien in 4K und HDR verfügbar werden, zudem sind 4K- und HDR-fähige Fernsehgeräte heute nicht mehr so überproportional teuer, dass man die Features aus Gründen der Zukunftssicherheit nicht mitnehmen könnte.

Krumm oder flach: Eine Geschmacksfrage
Bei der Kaufentscheidung für einen neuen Fernseher muss man sich heute zunehmend auch zwischen krummen und flachen Geräten entscheiden. Die Industrie verspricht, dass krumme TV-Geräte für ein besseres Mittendringefühl sorgen, zusätzlich sollen sie Reflexionen minimieren. Unsere Tests mit krummen TV-Geräten zeigen: Die Reflexionen mögen tatsächlich etwas geringer sein, ein Must-have ist ein krummer Bildschirm aber nicht. Letztlich ist es Geschmackssache.

Smart-TV: Das Betriebssystem macht den Unterschied
Kunden müssen sich beim Kauf eines Geräts auch für ein Betriebssystem entscheiden. Die Smart-TVs aller großen Hersteller setzen mittlerweile auf angepasste Linux-Versionen: Philips und Sony haben etwa die TV-Variante des Mobilbetriebssystem-Platzhirsches Android im Einsatz, die den Vorteil bietet, dass man Handy-Apps auf dem TV-Gerät installieren kann. Weil die allerdings nicht immer an die Bedienung mittels Fernbedienung angepasst sind, muss das nicht zwingend ein Vorteil sein.

Die großen koreanischen TV-Hersteller setzen ebenfalls auf Linux, kochen mit WebOS (LG) und Tizen (Samsung) aber ihre eigenen Smart-TV-Süppchen. Wir haben beide Plattformen begutachtet: Die Auswahl bei TV-spezifischen Apps stimmt, Streaming-Anbieter und die Mediatheken öffentlich-rechtlicher Sender sind mit diesen Systemen problemlos zugänglich. Weniger Auswahl gibt's beim Smart-TV-Underdog Firefox OS, der auf Geräten von Panasonic im Einsatz ist.

Was ist die richtige Größe für mein Wohnzimmer?
Bei der Größe des TV-Geräts sollte man sich von den eigenen Vorlieben leiten lassen. Es gibt Menschen, denen das TV-Gerät nicht groß genug sein kann, andere werden durch physische Limitierungen ihrer Einrichtung oder den möglichen Sitzabstand gewisse TV-Größen bevorzugen. So oder so gilt: Je größer das TV-Gerät ist und je näher man vor dem Bildschirm sitzt, umso sinnvoller sind 4K-Fernseher.

Die ultrahohe Auflösung entfaltet nämlich gerade auf kleineren Diagonalen unterhalb der 55 Zoll nur bei sehr naher Betrachtung ihre volle Pracht, was in der Praxis aber wenig bringt, schließlich sitzen die wenigsten TV-Besitzer unmittelbar vor dem Fernseher. Bei einem Betrachtungsabstand von mehreren Metern darf es also durchaus ein 65-Zöllen>

Tücken und Finessen: Das müssen Sie noch wissen
Neben den bereits besprochenen TV-Features, die herstellerübergreifend Verbreitung finden, gibt es herstellerspezifische Finessen. Dazu zählt etwa das "Ambilight" von Philips, das mittels LED-Beleuchtung in abgedunkelten Räumen die Illusion erzeugt, das Bild gehe über den Bildschirmrand hinaus. Manche Hersteller - etwa Samsung und Sony - bieten außerdem bestimmte Bild-Voreinstellungen, konkret haben einige TV-Geräte einen Fußball-Modus. Freilich: Hier kann der TV-Besitzer auch einfach selbst Hand anlegen und Kontrast und Farbsättigung an seine Wünsche anpassen.

Sehr wichtig beim TV-Kauf: Manche Hersteller - insbesondere aus China - haben zeitweise 4K-Fernseher mit veraltetem HDMI-Standard produziert. Diese Geräte bieten zwar ein 4K-Panel, können es wegen ihres veralteten HDMI-Standards aber nur mit geringen Bildraten bespielen. Wenn Sie jetzt ein TV-Gerät erwerben, sollten Sie deshalb darauf achten, dass HDMI im aktuellen Standard 2.0 an Bord ist. Damit wird 4K mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde angezeigt, mit Version 1.4b schafft das TV-Gerät zumindest 30 Bilder pro Sekunde. Die Finger sollten Sie von Geräten mit HDMI 1.4a oder noch früheren Varianten lassen: Sie zeigen 4K-Inhalte nur mit 24 Bildern pro Sekunde oder gleich gar nicht an.

Zusammengefasst: Auch, wenn die EM in Österreich nicht in 4K verfolgt werden kann, lohnt es sich beim TV-Kauf aus Gründen der Zukunftssicherheit, zum 4K-Gerät zu greifen. Für ein optimales Bild sollte man Geräten mit Quantum-Dot-Technologie und HDR den Vorzug geben, OLED wäre das Optimum bei der Bildqualität, ist aber vielen zu teuer. Betriebssystem, Diagonale und die die Entscheidung zwischen krummen und planen Geräten sind Geschmackssache, ebenso kann man herstellerspezifische Finessen wie Philips' Ambilight in die Entscheidung einbeziehen. Unabhängig all dieser Überlegungen gilt es zudem, auf aktuelle HDMI-Schnittstellen zu achten.

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