So, 17. Dezember 2017

Bub im Spital

27.05.2016 18:00

Johannes (9) nach Kreuzotter-Biss noch geschwächt

"Der Bub ist außer Lebensgefahr. Er ist aber noch geschwächt und auch geschockt", berichtet das Linzer Kepler-Uni-Klinikum über den Zustand des neunjährigen Johannes aus Lasberg. Der Mühlviertler Bub war - wie berichtet - beim gemeinsamen Wanderausflug mit seiner Familie am Elferkogel bei Bad Ischl von einer Kreuzotter in den linken Zeigefinger gebissen worden.

Dieser Horror-Ausflug wird der Mühlviertler Familie wohl unvergesslich bleiben: Der neunjährige Johannes war zu Fronleichnam mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder auf der Katrin bei Bad Ischl wandern. Gegen 13.30 Uhr wurde der Bub im Bereich des Elferkogels von einer Schlange - es dürfte sich um eine giftige  Kreuzotter gehandelt haben - in den linken Zeigefinger gebissen.

"Dem Buben ist bald schlecht geworden, er hat sich übergeben und ist kollabiert, konnte nicht mehr selbstständig absteigen. Am Finger hatte er auch zwei kleine Einstichpunkte", berichtet der Ischler  Bergrettungsarzt Bernhard Schmid, der auch vor Ort die notärztliche Behandlung durchführte: "Die Eltern haben richtig gehandelt, uns rasch alarmiert" -  siehe Interview unten.

Mit Helikopter ins Spital
Johannes bekam noch am Berg eine Infusion  zur Kreislaufstabilisierung sowie Sauerstoff verabreicht. Dann wurde der Kleine vom Team des ÖAMTC-Rettungshubschraubers "C 10" mittels eines Bergesacks am Tau abgeholt, in Bad Ischl in den Helikopter umgebettet und dann in die Linzer Kinderklinik geflogen. Dort wurde der Volksschüler versorgt. Laut Uniklinik-Sprecher Clemens Kukacka wird Johannes wahrscheinlich noch mehrere Tage im Spital bleiben müssen. Sein linker Arm ist stark geschwollen.

40 Schlangenbisse pro Jahr
In Österreich passieren pro Jahr laut Statistik etwa 40 Schlangenbisse, die so gravierend sind, dass sie stationär behandelt werden müssen.  Häufig erwischt  es Kinder, die im Unterholz herumstreifen. Oftmals gehört auch  eine Portion Pech dazu: Als eine  Linzerin (37) Anfang April  beim Wandern in den Rottenmanner Tauern (Stmk.) ausrutschte und sich mit einer Hand abstützen wollte, fiel sie, wie berichtet, auf eine Kreuzotter und wurde ebenfalls gebissen.

"Bisswunde soll man keinesfalls aussaugen oder gar ausbrennen"
"Passiver Transport" - so lapidar erklärt der Ischler Bergrettungsarzt Bernhard Schmid, was man mit den Opfern eines Schlangenbisses machen soll. Aussaugen oder gar ausbrennen ist Unsinn.

Sie haben das Kind am Berg oben behandelt. Wie ging es dem Kleinen?
Der Bub war im Prinzip sehr tapfer. Er war immer ansprechbar, aber  blass, kollapsig und hat sich mehrmals übergeben. Typisch war auch die Symptomatik eines giftigen Schlangenbisses: Es hat etwa eine halbe Stunde gedauert, bis ihm das erste Mal schlecht geworden ist.

Wie ist der Verlauf nach einem derartigen Biss?
Ich muss vorausschicken, dass so etwas sehr selten passiert. In Österreich gab es in den vergangenen 20 Jahren keinen einzigen tödlichen Biss durch eine heimische Schlange.  Grundsätzlich ist der Kreislauf massiv beeinträchtigt, dazu kommen heftige Schwellungen, die entsprechend schmerzhaft sind. Auf alle Fälle sollte man die Wunde im Krankenhaus begutachten lassen.

Wenn man alte Westernfilme ansieht, wird immer wieder mal ein Schlangenbiss ausgesaugt, ausgebrannt oder gar ausgeschnitten.
Bitte bleiben lassen! So etwas ist vielleicht in den USA mit den Klapperschlangen oder in einem abgelegenen Dschungelgebiet sinnvoll.

Was soll man stattdessen in dieser Situation tun?
Die größte Gefahr nach einem Schlangenbiss ist, dass man weitergeht und dann in absturzgefährdeten Bereichen herumtorkelt. Also für passiven Transport sorgen, wo sich der Patient selbst nicht mehr bewegen muss. So wie es die Eltern gemacht haben, einfach Alpinnotruf 140 alarmieren.

Wann beißen Kreuzottern eigentlich zu?
Im Normalfall nur, wenn sie sich überrascht und bedroht fühlen.

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