Mi, 18. Oktober 2017

Details der Bluttat

23.05.2016 17:38

„Blood and Honour“-Anhänger war tickende Zeitbombe

Tag eins nach dem unfassbaren Amoklauf eines 27-jährigen Neonazis im Vorarlberger Nenzing: Wie berichtet, griff Gregor S. in der Nacht auf Sonntag zum serbischen Nachbau einer Kalaschnikow und feuerte bei einem Rocker-Fest in die Menge. Am Montag gab die Polizei weitere Details der Bluttat bekannt. Und ein Psychogramm des Täter zeigt: Der Täter, der dem berüchtigten Netzwerk "Blood and Honor" angehörte, war eine tickende Zeitbombe.

So unfassbar die Tat des Todesschützen von Nenzing auch war, eines steht seit Montag fest: Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Denn der Täter hatte nicht nur die Tatwaffe, eine Zastava M92, bei der Rocker-Party dabei, sondern auch ein zweites baugleiches Sturmgewehr und ein zweites Magazin mit weiteren 30 Schuss. Warum der Täter mit dem zweiten Magazin an der Tatwaffe dann Richtung Nenzing floh und sich in unmittelbarer Nähe des Tatorts in den Mund schoss, ist genauso unklar wie sein Motiv.

Ein Streit mit seiner Freundin "über eine Lappalie", heißt es vonseiten der Polizei. Die seit drei Jahren bestehende Beziehung sei bis zur Geburt eines Babys vor 17 Monaten gut gelaufen. Ab da folgte ein Streit dem anderen. So wie am vergangenen Samstag, als die Freundin von Gregor S. mit ansehen musste, wie er einen zugedeckten Gegenstand aus dem Kofferraum hob, ihn vor ihr auf den Boden legte und schließlich begann, ziellos auf die Konzertbesucher zu schießen.

Seine Freundin nahm er dabei nie ins Visier. Sie wollte ihn noch abhalten, musste sich aber schließlich selbst in Sicherheit bringen. Von den Waffen, die der Täter aus Serbien eingeschmuggelt haben könnte, wusste sie nichts. Allerdings fand die Polizei bei der Hausdurchsuchung Kriegsmunition, eine Gaspistole und rechtsextreme Schriften.

Von Schule geflogen, Therapie abgebrochen, Waffenverbot
Der Täter war den Behörden jedenfalls kein Unbekannter. Als bekennender Neonazi fiel S. bereits im Schulalter negativ auf, wie ehemalige Kollegen erzählen. Er tauchte immer wieder mit Messern im Unterricht auf, flog später überhaupt von der Schule.

2005 wurde gegen ihn ein Waffenverbot verhängt, ein Jahr später wurde er wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung verurteilt. 2008 gab es eine Anzeige wegen gefährlicher Drohung. Vier Jahre später war der Vorarlberger sogar in psychiatrischer Behandlung, doch er flüchtete aus der Anstalt.

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