Mo, 20. November 2017

„Krone“-Reportage

23.05.2016 09:21

Unterwegs mit Hofer: „Beten Sie für einen Sieg?“

Während Conny Bischofberger am Wahlsonntag mit Alexander Van der Bellen unterwegs war, hat "Krone"-Kolumnist Michael Jeannée Norbert Hofer begleitet - und ihm daraufhin eine Spezialausgabe seiner "Post von Jeannée" gewidmet.

Lieber Norbert Hofer!

Zu meiner Post an Sie: Ich hab mir gedacht, wenn dieser Norbert Hofer aus Pinkafeld tatsächlich zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt wird, schreibt er, macht er Geschichte. Und wenn ich die paar Sonntagsstunden, in denen dieser Norbert Hofer aus Pinkafeld Geschichte schreibt und macht, mit ihm verbringe, bin ich - ein Teil von Geschichte. Wenn es aber nicht klappt mit der Hofburg für diesen Norbert Hofer aus Pinkafeld, dann habe ich immer noch - eine gute Geschichte. Auf also ins Burgenland am Sonntagmorgen!

8.30 Uhr: Ihr Händedruck ist fest, Ihr Hemd blütenweiß, Ihr Bungalow schmuck, Ihre präsente Familie entzückend. Die schlanke, ranke und brünette Ehefrau Verena, das Teenager-Töchterchen Anna-Sophie, der arrogante Kater "Robert", die übergewichtige Beagle-Dame "Maggie".

Ich sitze mit Ihnen am Küchentisch, der gereichte Kaffee schmeckt vorzüglich, das Semmerl dazu kracht. Und Clint Eastwood auf einem Riesenposter an der Wand lächelt sein weltberühmtes Macho-Lächeln. Ihr Lieblingsschauspieler, Herr Hofer? - Mein Lieblingsschauspieler!

Wie haben Sie heute geschlafen, Herr Hofer? - Sehr gut!

Geträumt? Vielleicht von der Hofburg? - Nein, tief und fest.

Sie gehen nach unserem Plauscherl in die Kirche. Werden Sie beten, dass Sie gewinnen? - Nein. Ich werde darum beten, dass alles so kommt, wie es kommen soll.

Und wie soll es kommen? - So, dass ich, sollte ich Präsident werden, nach einem Jahr sagen kann, dass es gut war, dass ich Präsident geworden bin. Oder so, dass ich, wenn ich es nicht schaffe, nach einem Jahr sagen kann, dass es gut war, dass ich nicht Präsident geworden bin.

Sehr sophistisch, Herr Hofer. - Nein, sehr ehrlich!

Apropos ehrlich, Frau Hofer. Möchten Sie, dass Ihr Mann Bundespräsident wird? - Jein!

Weshalb Jein? - Weil ich als Verena Hofer sehr glücklich bin. Mit meiner Arbeit als Altenpflegerin in Eisenstadt, in meinem Pinkafelder Heim auf dem Land, mit meiner gemütlichen Küche und vor allem ohne Stress. Wie das dann in der großen Stadt Wien werden wird, kann ich mir noch überhaupt nicht vorstellen. Empfänge, Etikette, weite Reisen im Flieger, ich hasse es zu fliegen, und, last but not least, der notwendige Schulwechsel meiner Tochter. Deshalb jein!

Und du, Anna-Sophie? Wie würdest du es finden, wenn der Papi Bundespräsident von Österreich wird? - Cool!

9.30 Uhr: evangelischer Kirchgang. Pastor Martin Schlor begrüßt Sie und Tochter Anna-Sophie (Gattin Verena hat den Frisör vorgezogen) vor seinem Gotteshaus, und Sie haben jetzt eine Stunde Zeit, darum zu beten, dass es kommt, wie es kommen soll.

11 Uhr: das übliche Fotografenchaos in Ihrem Pinkafelder Wahllokal bei der Stimmabgabe.

12 Uhr: Mittagessen im Gasthaus Zapfel. Ihr Handy summt ununterbrochen - SMS sonder Zahl. Erste Ergebnisse aus burgenländischen Kleingemeinden.

Sind die von Bedeutung, Herr Hofer? - Ich warte auf Sulzriegel. Mein Sulzriegel, wie ich es nenne. Denn wenn das Ergebnis von Sulzriegel, einem kleinen Ort südöstlich von Pinkafeld, bekannt ist, weiß ich, wohin die Reise geht. Das war bei der ersten Wahl so, das wird auch jetzt so sein.

PS: In Sulzriegel wählten 59 Prozent Hofer...

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