Sa, 18. November 2017

Suche nach Chef

10.05.2016 17:02

Jetzt brechen in der SPÖ alle Gräben auf!

Hässliche Szenen hinter den Kulissen der SPÖ. In der Regierungspartei regieren Misstrauen, Panik und Chaos. Mit dem überraschenden Rücktritt von Werner Faymann als Bundeskanzler und Parteichef brechen bei den Sozialdemokraten sämtliche Gräben auf. Wiens Bürgermeister Michael Häupl steht als Krisenmanager massiv unter Druck. Er muss rascher als von ihm geplant eine Nachfolgeentscheidung treffen. Dabei gilt ÖBB-Chef Christian Kern als klarer Favorit.

"Da schlupft ein schöner Schmetterling aus der Puppe." Wie üblich wollte Wiens Bürgermeister und SPÖ-Übergangschef Michael Häupl am Dienstag das Durcheinander bei der Suche nach einem Faymann-Nachfolger mit einem originellen Spruch übertünchen.

Pläne, sich mit der Auswahl eines Bundeskanzlers noch drei Wochen Zeit zu lassen, mussten noch in der Nacht auf Dienstag begraben werden. Der Druck aus den Reihen in der SPÖ, von der ÖVP und der Öffentlichkeit war schwer unterschätzt worden. Jetzt muss es schnell gehen. Bereits am Freitag soll eine Vorentscheidung fallen. Damit könnte am Mittwoch in einer Woche der neue SPÖ-Kanzler vom Bundespräsidenten angelobt werden.

Genossen beruhigen, Erfolgsaussichten erhöhen
Von politischen Arbeitsprogrammen ist dabei kaum die Rede. Der neue Regierungschef und beim Parteitag im Juni als SPÖ-Chef zu wählende Kandidat muss vor allem einmal die Genossen halbwegs beruhigen können. Dabei geht es nicht nur um grundsätzliche Fragen wie die Positionierung in der Flüchtlingsfrage und gegenüber der FPÖ.

Der neue SPÖ-Spitzenmann sollte auch die Erfolgsaussichten bei Wahlen erhöhen können. Viele Funktionäre fürchten derzeit um ihre Posten und Jobs. Und derzeit steht die SPÖ laut den jüngsten Umfragen bei etwa 22 bis 24 Prozent. Zum Vergleich: Wenn am kommenden Sonntag Wahlen wären, könnte die Strache-FPÖ bis zu 33 Prozent der Stimmen bekommen.

Klarer Favorit: Christian Kern
Favorit für den Kanzlerposten ist in der SPÖ jetzt ÖBB-Chef Christian Kern. Der 50-Jährige aus Wien-Simmering begann seine Karriere in der Partei, ging später zum Verbund-Konzern. Er wird bereits seit einiger Zeit als möglicher Nachfolgekandidat für Werner Faymann gehandelt. Kern erfreut sich der Zustimmung aus Kreisen der Gewerkschafter. Aber auch in der Wirtschaft und in Künstlerkreisen hat sich der stets auffallend elegant gekleidete ÖBB-Manager um einen guten Ruf bemüht.

Anfang Jänner trat er beispielsweise bei einer Bürgermeisterveranstaltung für Flüchtlinge mit André Heller, dem Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler, Patricia Kahane und Wiens Stadträtin Sonja Wehsely als Gastgeber auf.

Noch im Rennen: Gerhard Zeiler
Aber nicht nur Christian Kern soll sich um den Kanzlerposten bemühen. Dicke Freunde in der SPÖ hätte auch der TV-Manager Gerhard Zeiler, der wie Wiens Bürgermeister Michael Häupl seine Wurzeln in Wien-Ottakring hat. Zeiler ließ sich seit bald einem Jahr in verschiedenen Medien als Anwärter für den Posten des Regierungschefs in Stellung bringen.

Die Partei-Lösung: Andreas Schieder
Außenseiterchancen bei der Neubesetzung im Kanzleramt werden auch SPÖ-Klubchef Andreas Schieder eingeräumt. Allerdings werden dem aus rotem Parteiadel stammenden Sozialdemokraten von den Gegnern zu deutliche Linkstendenzen angekreidet. Das liegt vor allem daran, dass Schieders Lebensgefährtin die umstrittene Wiener Stadträtin Sonja Wehsely ist.

Außenseiterchancen: Peter Kaiser
Bis zuletzt wurde auch immer wieder Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser in das Nachfolgespiel gebracht. Kaiser gilt als "durchaus pragmatisch", durch die Folgen der Hypo-Affäre aber als politisch noch immer belastet.

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