Fr, 24. November 2017

Reform naht

10.05.2016 08:02

Liga-Boss Rinner: „12 + 16 ist die beste Variante“

Der österreichische Klub-Fußball steht vor einer grundlegenden Reform. Der Modus mit zwei Profi-Ligen zu je zehn Klubs dürfte schon ab der Saison 2017/18 der Vergangenheit angehören - zur Freude von Bundesliga-Präsident Hans Rinner, der sich nach anfänglicher Skepsis zu einem Befürworter einer Änderung wandelte. Das Interview.

12 plus 16, 14 plus 16 oder doch 10 plus 10 - welche Rechnung bevorzugen Sie persönlich für die Zukunft des österreichischen Club-Fußballs?
Hans Rinner: Zunächst ist festzuhalten, dass noch nichts entschieden ist. Unsere Geschäftsführer haben gute Vorarbeiten geleistet, die es teilweise noch abzustimmen gilt. Für mich ist nach dem momentanen Stand 12 plus 16 die beste Variante, doch die Entscheidung liegt bei den Club-Verantwortlichen.

Jahrelang wurde über eine Änderung des Liga-Formats diskutiert, nun wird die Reform offenbar sehr zügig umgesetzt. Wieso geht es auf einmal so schnell?
Rinner: Das Thema scheint vielleicht nach außen hin kurzfristig zu sein, aber wir haben sehr viel an Vorarbeit geleistet. Fakt ist, dass wir mit zwei Zehnerligen über Jahre hindurch versucht haben, zwei Profi-Leistungsstufen aufrecht zu erhalten, was uns durchaus gelungen ist. Durch den Wartungserlass des Finanzministeriums und die dadurch nötige Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft bis 1. Jänner 2017, aber auch durch steigende Anforderungen im Bereich Infrastruktur und Spieler-Zahlungen erhöhen sich die Kosten kontinuierlich. Wenn man sich die durchschnittlichen Budgets von Clubs der zweiten Leistungsstufe - mit Ausnahme von zwei, drei Vereinen - anschaut, dann muss man sich fragen, ob sich das noch ausgeht.

Wie groß ist die Gefahr, dass beim derzeitigen Format einige Clubs schon bald wegbrechen würden?
Rinner: Wenn man sieht, dass heuer nur drei mögliche Aufsteiger aus den Regionalligen die Lizenz bekommen haben und es in der Erste Liga einige Kandidaten gibt, für die es eng werden könnte, muss man reagieren. Bald wären vielleicht nur noch 16 oder 17 Profi-Vereine übrig geblieben.

Wie sehen Ihre Erwartungen bezüglich des zu erwartenden neuen 12-plus-16-Formats aus?
Rinner: Man wird nie sagen können, dass es anders besser gewesen wäre. Ich glaube aber schon, dass wir dadurch viele Klubs vor dem Bankrott schützen können, und das ist ein wesentliches Argument.

Kann man durch die Reform das Problem mit der Schnittstelle zwischen Amateur- und Profi-Fußball lösen?
Rinner: Das wird uns weiter begleiten, dieses Thema gibt es aber auch in jedem anderen Land. Das Wichtigste ist, Vereine vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Mit dem Modell, das wir angedacht haben, ist es möglich, dass man in der zweithöchsten Liga als Amateur- oder als Profi-Verein teilnehmen kann. Diejenigen, die in die höchste Liga aufsteigen wollen, müssen sich einer harten Lizenzierung unterziehen, die anderen können auf Amateur-Basis weiterspielen. Wir wollen auf jeden Fall den Auf- und Abstieg beibehalten und keine geschlossene Profi-Liga.

Wo sehen Sie den österreichischen Club-Fußball durch diese geplante Reform in zehn Jahren?
Rinner: Die Reform allein wird für die Entwicklung des österreichischen Klub-Fußballs nicht entscheidend sein, sondern vielmehr, wie sich die Vereine in punkto Infrastruktur, wirtschaftliche Gebarung und Nachwuchsarbeit entwickeln.

Wird die Bundesliga trotz aller Veränderungen weiterhin nur eine Zwischenstation für talentierte Spieler auf dem Weg in eine große Liga bleiben?
Rinner: Das haben wir nicht direkt in der Hand. Die durch die UEFA vorangetriebenen Entwicklungen sind für uns nicht von Vorteil, wenn man sich zum Beispiel die Unterschiede zwischen den Prämien für Champions League und Europa League anschaut. Da gilt es bei der UEFA Druck zu machen, damit die Schere nicht noch weiter auseinandergeht.

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