Mo, 20. November 2017

Aus und vorbei

09.05.2016 11:43

Michel Platini tritt als UEFA-Boss zurück!

Europas Fußball-Union UEFA ist auf der Suche nach einem neuen Präsidenten: Denn Michel Platini hat sein Amt am Montag zurückgelegt! Vorausgegangen war dem eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im Einspruchsverfahren des Franzosen. Dieser reduzierte die vom Fußball-Weltverband FIFA verhängte Sperre um zwei auf vier Jahre. Für Platini zu wenig, um in sein Amt zurückzukehren. Seine Rücktrittserklärung schloss er mit persönlichen Worten ab: "Das Leben hat für mich immer schöne Überraschungen bereit gehalten, nun kann ich diese erleben."

Der einstige Weltklassespieler war vom Weltverband ebenso wie der frühere FIFA-Chef Joseph Blatter für sechs Jahre gesperrt worden. Hintergrund ist eine dubiose Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken von Blatter an Platini im Jahr 2011. Wie der CAS nun meinte, sei die Sanktion "zu hart" ausgefallen. Blatters Fall soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat in Lausanne verhandelt werden.

"Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis"
Für Platini war mit dem Spruch des CAS das Ende der Karriere als Fußball-Funktionär besiegelt. Er kündigte an, vor Schweizer Zivilgerichten gegen die Entscheidung, die Sperre gegen ihn im Kern zu bestätigen, vorgehen zu wollen. "Ich nehme die Entscheidung des CAS zur Kenntnis, halte sie aber für eine gravierende Ungerechtigkeit", hieß es in der Stellungnahme.

"Es gibt nichts, was ich mir vorwerfen müsste"
Mehrere Stunden hatten die CAS-Richter am 29. April getagt, um die brisante Causa zu verhandeln. "Ich habe die Wahrheit erklärt. Es gibt nichts, was ich mir vorwerfen müsste", hatte Platini nach der Anhörung gesagt. Das beteuert der Franzose seit dem 8. Oktober, damals waren Verfahren der Ethikkommission gegen ihn und Blatter eingeleitet worden.

Erst acht, dann sechs und nun vier Jahre Sperre
Laut des Funktionärs-Duos war die Zahlung verspätetes Gehalt für Platinis Dienste um die Jahrtausendwende. Verbucht wurde die Summe in den FIFA-Büchern aber nicht. Die durch die Ethikkommission des Weltverbands ausgesprochene Sperre von acht Jahren wurde durch die Berufungskammer auf sechs Jahre reduziert - und nun vom CAS noch einmal auf vier Jahre.

"Abwesenheit jeglicher Reue bei Herrn Platini"
In seinem Urteilsspruch bestätigte der CAS, von der Rechtmäßigkeit der Zahlung von Blatter an Platini "nicht überzeugt" zu sein. Zudem soll Platini von der Verlängerung eines Altersvorsorge-Plans profitiert haben, "zu der er nicht berechtigt war". Die Kammer halte eine lange Sperre "im Lichte der Spitzenfunktion von Herrn Platini, der Abwesenheit jeglicher Reue und des Einflusses dieser Sache auf den Ruf der FIFA" für gerechtfertigt. Die Entscheidung der Richter sei einstimmig erfolgt.

Für Platini hätte sich nur bei einer deutlicheren Reduktion der Sperre die Chance auf eine Rückkehr in den Chefsessel der UEFA ergeben. Für den 18. Mai hat Europas Kontinentalverband eine Sondersitzung seines Exekutivkomitees anberaumt. Dort wird wohl auch über das Prozedere der Präsidentenneuwahl beratschlagt.

Da die Fristen vor dem EM-Start am 10. Juni sehr knapp sind, scheint die Wahl von Platinis Nachfolger im September wahrscheinlich. Einen Interimspräsidenten werde es vorerst nicht geben, stellte die UEFA am Montag klar. Als aussichtsreiche Kandidaten auf das Präsidentenamt gelten der Niederländer Michael van Praag und der Portugiese Fernando Gomes, die beide im Exekutivkomitee sitzen.

Platini-Rücktritt für Windtner "letztendlich konsequent"
ÖFB-Präsident Leo Windtner bezeichnete den Rücktritt von Platini noch am Montagnachmittag als notwendig. "Platini hat sich viele Verdienste um den europäischen Fußball erworben. Der Rücktritt ist nach dem Urteil der CAS letztendlich der konsequente Schritt, um die zukünftige Weichenstellung der UEFA vorantreiben zu können", meinte Windtner. Nun gelte es, "so rasch als möglich" die Nachfolge zu klären "und der UEFA durch eine geordnete Struktur neue Kraft zu verleihen".

Steckbrief Michel Platini

  • geboren: 21. Juni 1955 in Joeuf/Frankreich
  • Karriere als Spieler:
    1973-1979 AS Nancy-Lorraine
    1979-1982 AS Saint Etienne
    1982-1987 Juventus Turin
    72 Länderspiele/41 Tore
  • Größte Erfolge als Spieler:
    * Europameister 1984
    * WM-Dritter 1986
    * Europas Fußballer des Jahres 1983, 1984 und 1985
    * Französischer Meister 1981
    * Italienischer Meister 1984 und 1986
    * Europacup-Sieger der Landesmeister 1985
    * Europacup-Sieger der Cupsieger 1984
    * Weltpokal-Gewinner 1985
  • Weitere Karriere:
    1988-1992 Teamchef der französischen Nationalmannschaft
    1992-1998 Co-Präsident Organisationskomitee WM 1998 in Frankreich
    ab 2002 Mitglied Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union UEFA
    ab 2007 UEFA-Präsident
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