So, 17. Dezember 2017

Teure Umstellungen

06.05.2016 18:35

Widerstand gegen die Öl-Pläne des Landes

Eine dringliche Anfrage von SPÖ-Chef Walter Steidl an die zuständigen Regierungsmitglieder Astrid Rössler und Josef Schwaiger zeigt, wie der Energieverbrauch im Land derzeit aussieht: 2014 betrug der Anteil am Bruttoinlandsverbrauch von Erdöl 40,7 %, Biomasse 25,5 %, Wasserkraft 18 %, Erdgas 11,4 %, sonstigen Erneuerbaren 1,6 %, Kohle 0,5 %. Hinzu kommt ein Nettoimport von elektrischer Energie von 2,2 %.

Ein Grund warum das Land den Erdölverbrauch im Rahmen des Energiemasterplans vor allem bei Heizungen massiv zurückdrängen will und in den nächsten fünf Jahren neue Ölheizungen gar verbieten wird. Dafür soll auf Pelletsheizungen umgestellt werden, die als umweltfreundlicher, aber auch als teurer gelten. Die Preise von Heizöl sind zuletzt weltweit in den Keller gerasselt.

62.000 Haushalte heizen in Salzburg mit Öl
Eine drastische Maßnahme, die vor allem den ländlichen Bereich, wo es wenig Anschlüsse an Fernwärme gibt, treffen wird und dementsprechend auch für massiven Widerstand sorgt: "Der Masterplan wurde einseitig von der Landesregierung beschlossen, ohne Ölheizungsbesitzer, Handel und Industrie einzubeziehen. 62.000 Haushalte, das sind 26 Prozent, heizen in Salzburg mit Öl. Die Umstellung ist für viele Einzelhaushalte, vor allem im Pongau und Pinzgau extrem teuer. Der Wechsel auf eine Pellets-Heizung kostet im Schnitt 20.000 Euro. Ein Austausch von alter auf neue Brennwerttechnologie, die mit einer erheblichen Reduzierung von Schadstoffen und Heizölverbrauch verbunden ist, schlägt sich mit rund 10.000 Euro zu Buche und wird zusätzlich auch noch durch die Heizölindustrie mit 2500 bis 3000 Euro gefördert", rechnet Erich Hettegger, Obmann Energiehandel Salzburg und selbst Ölhändler vor.

Rössler machte auch klar, dass das Land auch notfalls bei Nichteinhaltung in das Eigentumsrecht eingreifen kann. Forciert wird anstelle das Erdgas, Biomasse und wie beschrieben die Pellets, deren Produktion aber vom Energiehandel hart hinterfragt wird: Die Entstehung und Verarbeitung in Ländern außerhalb der EU sei ebenso Luft-schädlich, werde aber in die lokalen Werte nicht einberechnet. Beim Erdgas verlässt sich das Land auf den beteiligten Hauptlieferanten Salzburg AG: "Da wird ein öffentliches Unternehmen gegenüber privaten, meist familiengeführten, traditionellen Salzburger Heizölanbietern bevorzugt", ortet Hettegger. Der Energiehandel fordert eine faire Diskussion und ein Ende beim Ausspielen von Gas gegen Öl: "Wir bekennen uns zum Klimaschutz und zur Steigerung der Energieeffizienz und wir kommen seit Jahren unseren Verpflichtungen nach. Durch Fördermaßnahmen konnten rund 100.000 Tonnen CO2 in Salzburg eingespart werden. Alte Ölkessel werden laufend gegen innovative Heizölsysteme ausgetauscht." Unter Druck die eigenen Ziele zu erreichen gerät das Land indessen zunehmend, weil unter anderem das geplante Geothermieprojekt der Salzburg AG in Bayern geplatzt ist. 8 Prozent der Energiezufuhr soll aus der Windkraft kommen, doch alle Versuche Windräder bislang im Bundesland aufzustellen, scheiterten.

Entlegene Gegenden brauchen Ölheizungen
Schützenhilfe kommt von Steidl: "Man muss den Leuten nicht alles vorschreiben. Die Menschen in Salzburg sind gescheit genug und suchen sich die Energieform aus, die ihnen am besten und günstigsten erscheint. Warum spielt die Landesregierung alle gegeneinander aus? Es liegt auf der Hand, dass vor allem in entlegenen Gegenden Ölheizungen die einzige Möglichkeit sind."

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