Di, 17. Oktober 2017

Arbeitslosenrekord

07.05.2016 13:03

Drei Gründe für die neue Job-Misere

Entspannung in der EU, bei uns aber Anstieg der Arbeitslosenzahlen bis 2020. Schuld sind zu große Arbeitsnachfrage, geringes Wirtschaftswachstum und weniger Pensionierungen.

Die gute Nachricht: Seit dem Spitzenwert 2014 sinkt die Arbeitslosigkeit in der EU merklich, und so dürfte es nach neuesten Prognosen auch weitergehen.

Trauriger Ausreißer ist Österreich. Bereits seit 2013 haben wir deutlich höhere Werte als z.B. Deutschland (siehe linke Grafik oben). Und nur noch in Estland und bei uns klettert die Zahl der Betroffenen heuer ungebrochen weiter auf aktuell rund 425.000 Menschen (Arbeitslosenquote knapp 6 Prozent) hoch. Laut Wifo dürfte das bis 2020 auch so weitergehen.

Was ist schuld, dass wir vom Musterland auf den fünften Platz in Europa abgerutscht sind und gemäß AMS-Definition sogar fast schon jeder Zehnte keine Stelle hat? Im Wesentlichen nennt Thomas Horvath, Arbeitsmarktexperte des Wifo, drei Hauptgründe dafür:

Enorme Job-Nachfrage: Statt - wie früher gedacht - zu schrumpfen, wächst die Bevölkerung seit einigen Jahren stärker als in anderen Ländern. Dazu kommt die - erwünschte - Berufstätigkeit von Frauen, so Horvath: "Das liegt insbesondere an ihrer besseren Bildung und tendenziell kürzeren Karenzzeiten." 70 Prozent der Frauen arbeiten, vor 20 Jahren waren es nur 60 Prozent.

Weiterer Faktor ist die stark steigende Zahl an EU-Bürgern, die bei uns Jobs suchen. Neben Tausenden Tagespendlern waren zuletzt bereits 150.000 Menschen von ihren ausländischen Firmen (aus Ungarn, Rumänien usw.) legal für zeitweilige Aufträge in Österreich "entsendet". Das wirkt sich massiv in Ostösterreich aus, wo die Arbeitslosenrate im April um fast 2 Prozent gestiegen ist, während sie im Westen sogar um bis zu 7 Prozent (Tirol) rückläufig war! Ab Herbst dürften nun zusätzlich einige Zehntausend Asylberechtigte auf den Arbeitsmarkt wollen, prognostiziert Horvath.

Fazit: Trotz Krise hat zwar seit 2008 die Zahl der Beschäftigten (= Jobs) bei uns erfreulicherweise um 4 Prozent auf 3,5 Millionen zugenommen, doch jene der Stellensuchenden ist mit 8 Prozent doppelt so schnell geklettert (siehe rechte Grafik oben).

Spätere Pension: Eng verbunden damit ist, dass mehr Menschen später in Pension gehen. Horvath: "Die versteckte Arbeitslosigkeit von früher, wo man Leute in Früh- oder Invaliditätspension geschickt hat, wurde durch Reformen gebremst. Auch die Mindestsicherung ist an Arbeitswilligkeit gebunden."

Schwaches Wachstum: Österreichs Konjunktur hinkt seit Jahren hinter anderen Ländern nach. Heuer erwartet die EU für uns 1,5 Prozent Wachstum, was nur Rang 21 unter 28 Ländern bedeutet (EU-Schnitt ist 1,8 Prozent). "Diese Kombination aus anhaltender Wachstumsschwäche bei steigender Jobnachfrage wirkt deutlich."

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