Do, 23. November 2017

Happy Birthday

06.05.2016 14:18

Folksänger-Legende Donovan feiert 70. Geburtstag

Bekannt wurde er erst als der britische Bob Dylan, doch seine psychedelischen Hits wie "Mellow Yellow" brachten die Protestbewegung der 60er-Jahre dem breiten Publikum nahe. Am Dienstag, 10. Mai, feiert der britische Folk-Troubadour Donovan seinen 70. Geburtstag.

Was verbindet so unterschiedliche Musiker wie Led Zeppelin, Belle And Sebastian und Peter Maffay? Sie alle wurden von dem Hippie-Helden und Songwriter Donovan beeinflusst. Er selbst sieht sich mehr als Dichter denn als Liedermacher - ein Chronist der Protestbewegung, der seit den 1960er-Jahren gesellschaftliche Strömungen musikalisch kommentiert: "In den 1960er-Jahren war ich davon überzeugt, dass die Welt extrem psychisch krank war", sagte er der britischen Zeitung "The Independent" über den Auslöser für sein Engagement. "Keine Frage: Zwei Weltkriege, eine Depression, und nun die Möglichkeit, den Planeten mit Atombomben zu zerstören."

Mehr als ein Abklatsch
Als Donovan Philips Leitch wird er in eine Arbeiterfamilie in Glasgow ein Jahr nach Kriegsende geboren und träumt als Teenager von einem unkonventionellen, rebellischen Künstlerleben. Er lernt Gitarre spielen und nimmt mit 18 sein erstes Demoband auf, das seinen späteren Hit "Catch The Wind" enthält - eine charmante, liebeshungrige Ballade an seine spätere Ehefrau Linda Lawrence. Schnell gilt er als britischer Abklatsch des US-amerikanischen Stars Bob Dylan, der ihm auch noch ähnlich sieht und wie er von den Folksängern und Aktivisten Woodie Guthrie, Pete Seeger und Joan Baez beeinflusst wurde.

1965 verpasst ihm der Hit-Produzent Mickie Most ein neues Image und einen neuen Stil mit dem psychedelischen "Sunshine Superman"-Album, das Flower Power weltweit bekannt macht. Die gleichnamige Single-Auskoppelung schießt an die Spitze der US-amerikanischen Charts und verkauft sich mehr als eine Million Mal. Binnen eines halben Jahrzehnts hat Donovan rund ein Dutzend Single-Hits, darunter Songs wie "Mellow Yellow", "Hurdy Gurdy Man", "Universal Soldier" und "Atlantis".

Die Beatles beeinflusst
Bekannt wird er vor allem mit seiner einmaligen Mischung aus Folk, Blues, Jazz, Calypso, klassischer und indischer Musik, versetzt mit mystischen und psychedelischen Elementen. Auf ihrem berühmt-berüchtigten Trip zum indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi bringt Donovan seinen Beatles-Freunden John Lennon, Paul McCartney und George Harrison das Finger-Picking auf der Gitarre bei. George Harrison sagt später, dass sich Donovans Einfluss überall auf dem "White Album" finde. Aus dieser Zeit stammt Donovans Interesse an Transzendentaler Meditation.

Der Liedermacher schreibt unermüdlich weiter Songs und Filmmusik, veröffentlicht Alben und tritt auf, doch ab Mitte der 70er- und in den 80er-Jahren wird es ruhig um ihn. Punk erobert die Musikszene und setzt sich aggressiv von den Blumenkindern, ihren musikalischen Helden und dem Motto "Make Love Not War" ab. Auch Donovans Comeback-Versuch 1996 findet wenig Beachtung.

Überraschendes Comeback
Hollywood-Filme und Werbespots nutzen seine Hits gerne, doch erst als die Mädchen-Band "No Angels" seine Folk-Ballade "Atlantis" von 1969 für den gleichnamigen Walt-Disney-Film aufnimmt, kehrt er 2001 wieder ins Rampenlicht zurück.

Er schreibe täglich Songs, erzählt er dem "Independent": "Ich habe Hunderte und Aberhunderte von Liedern, die niemand jemals gehört hat. Wenn Sie Lieder über Ökologie wollen, habe ich Ökologie-Songs; wenn Sie Songs über Spiritualität wollen, habe ich spirituelle Lieder." Er schmunzelt: Allerdings bezweifle selbst seine Ehefrau und Muse Linda, ob die Songs überhaupt gehört werden müssen. Er lebt mit ihr die eine Hälfte des Jahres in Irland, die andere auf Mallorca, "der letzten Wildnis Europas."

Vom Rebell zum Staatsdiener
2015 bringt er das Greatest-Hits-Album "Retrospective" heraus, um ein halbes Jahrhundert als Songwriter zu feiern. Sein Selbstverständnis hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt - der ehemalige Rebell fühlt sich heute als Staatsdiener, der eine Mischung aus Bildung und Entertainment anbiete. "Ich glaube, mein Erbe ist wichtig, weil meine Lieder jede soziale und künstlerische Bewegung seit 1965 abdecken." Der Sonntagszeitung "Observer" verrät er, dass ihm schon vor langer Zeit klar geworden sei: "Ich kann die Welt nicht retten, aber wenn ich einige Ideen mit Menschen teilen kann, sind sie in der Lage, sich selbst zu retten."

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