Fr, 20. Oktober 2017

250 Mio. Euro weg

06.05.2016 11:40

Software schrottet brandneues Weltraumteleskop

Ein Software-Fehler soll Schuld an der Zerstörung des brandneuen japanischen Weltraumteleskops "Hitomi" sein, das Ende April in der Erdatmosphäre auseinandergebrochen ist. Der verursachte Schaden beläuft sich auf 250 Millionen Euro, die japanische Raumfahrtagentur JAXA hat das Teleskop mittlerweile für verloren erklärt.

Das Röntgenteleskop sollte einem Bericht des IT-Portals "Golem" zufolge auf die Galaxie Markarjan 205 gerichtet werden, als das Unglück seinen Lauf nahm. Eine Verkettung unglücklicher Zwischenfälle und ein Software-Fehler führten demnach dazu, dass "Hitomi" zerstört wurde. Die Bilanz: 250 Millionen Euro Schaden - und ein herber Rückschlag für die Wissenschaft.

Teleskop kam ins Trudeln, Software verschlimmerte es
Offenbar kam es beim Versuch, die Galaxie anzupeilen, zu einem Fehler in der Lageregelung des Teleskops. Dafür sind zwei unterschiedliche Systeme zuständig, die widersprüchliche Angaben lieferten. Die Steuersoftware des Teleskops glaubte in Folge, es sei ins Trudeln geraten und fuhr sogenannte Reaktionsräder zur Lagestabilisierung aus. Weil "Hitomi" aber gar nicht trudelte, führte diese Aktion letztlich erst recht zu einer instabilen Lage, das Teleskop begann zu rotieren.

Die Software an Bord war auch für diesen Fall gerüstet und zündete die Triebwerke, um die Rotation zu stoppen. Allerdings sorgte der Software-Fehler dafür, dass die Triebwerke in die falsche Richtung strahlten - und die Rotation des Teleskops erst recht beschleunigten. Nun drohte höchste Gefahr für das Teleskop, das allerdings just in diesem Moment eine Anomalie im Erdmagnetfeld durchflog und vom Boden aus nicht mehr erreichbar war.

Kommandozentrale konnte "Hitomi" nicht mehr retten
Hätte die Kommandozentrale "Hitomi" Befehle erteilen können, wäre das Teleskop womöglich gerettet worden. Weil das aber nicht möglich war, brachen letztlich die Solarpanele und weitere Teile des Teleskops ab. Insgesamt soll das wissenschaftliche Instrument der Japaner im Orbit in zehn Teile zerbrochen sein.

Der Verlust von "Hitomi" ist ein herber Rückschlag für die Wissenschaft. Das Teleskop war brandneu und erst am 17. Februar ins All geschossen worden, verwendet werden sollte es für die Suche nach dunkler Materie, fernen Galaxien und schwarzen Löschern. Bis Ersatz bereitsteht, wird es mehr als ein Jahrzehnt dauern: Das nächste Röntgen-Weltraumteleskop, das in den Orbit geschossen wird, ist das europäische "Athena"-Teleskop. Es soll erst 2029 in Dienst gestellt werden.

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