Fr, 17. November 2017

Nach Gipfelgespräch

04.05.2016 23:37

Servus TV sendet auch ohne Betriebsrat

Der Schock über die beabsichtige Einstellung des beliebten Senders Servus TV löste Mittwochnachmittag hektische Betriebsamkeit aus: Der Chef der Arbeiterkammer ersuchte den Red Bull-Chef um ein Gespräch. Bei Kaffee (Dietrich Mateschitz) und Mondwasser (Siegfried Pichler) kam es bei dieser einstündigen Konferenz zur Einigung: Es wird keinen Betriebsrat geben, Servus TV sendet weiter, die 264 Kündigungen werden zurück gezogen.

Siegfried Pichler verantwortete sich: "Wenn die Arbeiterkammer ersucht wird, bei der Gründung eines Betriebsrates zu helfen, so müssen wir Auskunft geben. Wir sehen aber ein, dass der Red Bull-Konzern so sozial geführt wird, dass keine Personalvertretung notwendig ist, weil die Mehrheit der Mitarbeiter dies nicht will. " Gerald Forcher von der Journalistengewerkschaft akzeptiert alle Entscheidungen, ist froh und erleichtert, betont, dass sich der ÖGB nie in die inneren Angelegenheiten des Senders eingemischt habe.

Die mysteriösen Vorfälle häuften sich: Über das ausgeklügelte "doodle"-System im Internet erreichte ein Email alle Mitarbeiter des Salzburger Senders: Von "Geheimnistuerei" war da die Rede, von "einigen Erzählungen und Vorgeschichten zum Thema Betriebsrat" und dann sollten die Empfänger mit einem "Ja, ich will" antworten. Je mehr mitmachten, desto stärker wäre der Rückhalt des Betriebsrates. Die Urheber hielten sich im Dunkeln, Namen sollten erst dann veröffentlicht werden, wenn "Kündigungsschutz" besteht. Ferner wurde auf Kontakte und Beratung durch die Arbeiterkammer und Gewerkschaft verwiesen. Einigermaßen überrascht waren die Mitarbeiter, denn sie sind in dem Unternehmen hoch zufrieden: Es gibt überdurchschnittlich gute Gehälter, Dienstautos, Bons für Mahlzeiten und in familiären Notfällen kümmert sich das Büro des Eigentümers direkt um die Betroffenen, um ihnen zu helfen.

"Der einzige Sender, der Österreich bevorzugt"
Als Dietrich Mateschitz das Mail in die Hand bekam, rechnete er seine Servus TV-Bilanz durch: 700 Millionen Zuschuss in sieben Jahren, zu wenige Zuschauer. Christopher Reindl und der erst vor kurzem ernannte Sende-Chef Dr. Ferdinand Wegscheider mussten der versammelten Mannschaft den Sendeschluss bekannt geben. Weinend fielen sich viele Mitarbeiter in die Arme: Sie hatten Jobs im Ausland aufgegeben und waren nach Salzburg übersiedelt, um die große Herausforderung anzunehmen. Als Gegen-Maßnahme wurde ein Brief an den Eigentümer verfasst. Mehr als 200 versicherten Dietrich Mateschitz, dass er für sie der beste Betriebsrat sei, weil man sich mit allen Sorgen an ihn wenden könne. Auf "facebook" wurden inzwischen mehrere Aktionen gestartet: "Der einzige Sender, der Österreich bevorzugt und nicht den Dreck aus Amerika und Deutschland bringt," heißt es da, oder: "Ich will kein Fernsehen, wo nur noch gelogen wird" oder "Der sauberste Mediensender im Land" oder "Servus TV zeigt, wie schön unsere Kultur und Brauchtümer sind." Am Mittwochabend dann Tränen der Freude: "Wir haben jetzt noch mehr Motivation!" hieß es nach der 24 Stunden dauernden Schockstarre in der Sendezentrale in Wals.

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