Fr, 20. Oktober 2017

An zwei Frontlinien

30.04.2016 15:27

Syrien: Kurzzeitige Feuerpause in Kraft getreten

Eine vorübergehende Feuerpause an zwei Frontlinien hat den Bewohnern von zwei Regionen Syriens eine Atempause verschafft. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, legten die Konfliktparteien in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta und in der Küstenprovinz Latakia die Waffen nieder. Im umkämpften Aleppo war die Lage nach den Luftangriffen der vergangenen Tage dagegen weiter angespannt. Viele Bewohner flohen aus Angst vor weiteren Bombardements.

In Latakia und Ost-Ghuta trat die Feuerpause den Angaben zufolge in der Nacht zum Samstag in Kraft, zunächst wurden keine Angriffe gemeldet. Der vorübergehende Stopp der Kampfhandlungen an zwei wesentlichen Kriegsfronten war auf Drängen der USA und Russlands vereinbart worden. Für die Region Ost-Ghuta östlich von Damaskus sollte die Feuerpause nach Angaben der syrischen Armee allerdings nur 24 Stunden gelten, für Latakia 72 Stunden.

Für die erbittert umkämpfte Stadt Aleppo galt die Feuerpause nicht. Dort war am Freitag erneut ein Krankenhaus bombardiert worden, mehrere Menschen wurden verletzt. Am Donnerstag waren bei einem Angriff auf ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus mehr als 50 Menschen getötet worden, darunter Ärzte und Kinder.

Rotes Kreuz verurteilt Angriff auf Krankenhaus
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, verurteilte den Angriff auf das Krankenhaus scharf. "Die Angriffe auf Zivilisten und medizinische Einrichtungen verstoßen massiv gegen das humanitäre Völkerrecht", sagte Seiters der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe). Die humanitäre Situation in Aleppo sei "katastrophal", die medizinische Versorgung für die Bewohner nicht mehr gewährleistet.

In den vergangenen Tagen waren die schwersten Kampfhandlungen seit Ausrufung der Waffenruhe Ende Februar aufgeflammt. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seitdem durch Angriffe von Rebellen und Regierungstruppen insgesamt 246 Zivilisten getötet. Der einstigen Wirtschaftsmetropole droht eine Großoffensive der Armee, die Aleppo vollständig zurückerobern will.

Dutzende fliehen aus Aleppo
Am Samstag wurden nach Angaben des Zivilschutzes erneut sechs Menschen bei Angriffen in den Rebellenvierteln von Aleppo getötet. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle, deren Angaben nicht von unabhängiger Seite zu überprüfen sind, sprach von mindestens 20 Luftangriffen.

Dutzende Menschen ergriffen am Samstag die Flucht aus den von Rebellen gehaltenen Stadtvierteln, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Einige Familien versuchten, in vergleichsweise sicheren Gegenden der Stadt unterzukommen, andere verließen Aleppo über die einzige Straße, die von den Rebellengebieten hinaus führt. Diese im Nordosten gelegene Route ist hochgefährlich, weil die Straße häufig unter Beschuss gerät.

Bewohner: "Alles steht still"
"Die Situation ist unerträglich geworden", sagte Abu Mohammed, ein mit seiner Familie fliehender Einzelhändler. "Eins meiner Kinder hat Panik vor den Bomben." In seinem Elektrogeschäft habe er seit einer Woche keine Kunden mehr gehabt. "Alles steht still."

Schätzungen zufolge leben in den von Rebellen gehaltenen Vierteln von Aleppo noch insgesamt 200.000 Menschen. Am Samstag waren die Straßen nahezu menschenleer, die Bewohner verschanzten sich in ihren Häusern. Am Vortag waren aus Sicherheitsgründen die Freitagsgebete in der Stadt abgesagt worden.

In der überwiegend kurdischen Stadt Qamishli im Norden Syriens wurden bei einem Selbstmordanschlag am Samstag sechs kurdische Polizisten getötet. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In der Vergangenheit hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat Anschläge in der Stadt verübt.

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