Mo, 20. November 2017

Hofburg-Wahl

27.04.2016 20:03

Kuschelweiche Debatte Van der Bellen - Hofer

Drei Tage nach dem ersten Wahlgang sind die beiden verbliebenen Kandidaten für die Bundespräsidenwahl am Mittwochabend zu einer ersten Konfrontation aufeinandergetroffen. Stichwahlkampfmäßig befanden sich Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen allerdings noch in der Aufwärmrunde, wie man nach einer Stunde "Klartext" auf Ö1 den Eindruck hatte.

Zu deftigen An- oder gar Untergriffen setzte keiner der beiden an, man gab sich höflich, gar freundlich, und es gab offenbar mehr Gemeinsames als zu erwarten war. "Wir sind schon wieder einer Meinung, Herr Hofer", wunderte sich Van der Bellen einmal. So würde keiner der beiden TTIP unterschreiben, beide würden ihr Amt "natürlich" parteiunabhängig ausüben wollen, beide redeten der direkten Demokratie das Wort, und beide waren der Ansicht, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel habe mit der Ermittlungsermächtigung in der Causa Jan Böhmermann einen Fehler gemacht.

Beide warben auch mit dem Heimatbegriff, aber bei dessen genauer Definition ist man mitnichten ein Herz und eine Seele. So wie in EU-politischen Belangen, wo Hofer "die Interessen Österreichs in den Vordergrund" stellen will. Mit dieser Position werbe er auch um jene Wähler, die beim ersten Wahlgang für die unterlegenen Kandidaten gestimmt hatten und nun zu haben sind. "Kein Mensch hat gesagt, wir müssen aus der Europäischen Union austreten", wies Hofer auch zurück, dass die FPÖ dies anstrebe.

Van der Bellen will dagegen die Rolle Österreichs in Europa hervorheben und hofft, damit bei den Wählern von Andreas Khol punkten zu können. Anhänger von SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer, denen wohl Soziales und der Arbeitsmarkt Anliegen seien, will er mit seiner Wirtschaftskompetenz überzeugen, und Fans von Irmgard Griss hofft er davon zu überzeugen, dass er in punkto Unabhängigkeit "einen kilometerweisen Vorsprung vor Herrn Hofer" habe.

Hofer über Jobbik-Partei: "Will mit denen nichts zu tun haben"
Den Sager, dass Van der Bellen ein faschistischer grüner Diktator sei, würde Hofer mittlerweile übrigens "etwas eleganter formulieren", inhaltlich stehe er aber zu der damit geäußerten Kritik. Hofer kritisierte auch, dass Burschenschafter "verteufelt" würden: "Es gibt bei den Burschenschaftern sehr nette und weniger nette - so wie in allen anderen Bevölkerungsgruppen auch." Die Glückwünsche der rechtsextremen ungarischen Jobbik-Partei "freuen mich überhaupt nicht, ich will mit denen nichts zu tun haben", sagte er. Gefragt nach der Grußadresse von Marine Le Pen sagte er, diese sei "in Frankreich sehr erfolgreich, ich weiß, sie wird in Österreich zum Teil kritisch gesehen".

Van der Bellen verbrachte mit Strache viel Zeit im Raucherkammerl
Van der Bellen blieb bei seiner Ansicht, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nach der nächsten Nationalratswahl bei entsprechendem Abschneiden nicht in jedem Fall mit der Regierungsbildung beauftragt werden müsse. "Mir geht es in dieser Frage nicht um die Person Strache, mit dem ich viele Zigaretten im Raucherkammerl des Parlaments geraucht habe", sagte er. Er wolle "Schaden von Österreich" abwenden. Was die Debatte um den Heimat-Begriff angeht, sagte der als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters in Wien Geborene und in Tirol Aufgewachsene: "Ich war ein Ausländer, jetzt bin ich ein perfekter Österreicher."

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