Mo, 18. Dezember 2017

Atom

23.04.2016 21:46

Die dramatischen Folgen

Für Strahlenexperte Edmund Lengfelder (73) war die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im April 1986 ein prägendes Ereignis: Als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München erstellte er in den Jahren danach eine genaue Strahlenkarte. Die Ergebnisse veranlassten ihn zum Handeln.

Also reiste er 1990 nach Weißrussland und machte sich selbst ein Bild vor Ort. Er entnahm mit seinem Team Bodenproben, untersuchte Speisepilze und kontrollierte Lebensmittel in Kindergärten. Nur ein Jahr danach gründete er das Otto Hug Strahleninstitut ein Verein für medizinische Hilfsmaßnahmen, bei dem sich ehrenamtlich etliche Experten engagieren - und organisierte dutzende Hilfskonvois in die betroffene Region um die Stadt Gomel. Dort errichtete er 1992 sogar ein eigenes Schilddrüsen-Zentrum. Der studierte Mediziner weiß: "Die Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs ist stark angestiegen, vor allem sind auch heute junge Erwachsene betroffen, jene die damals noch Kinder waren. Das erhöhte Krebsrisiko bleibt lebenslang bestehen", weiß er.

Wildtiere immer noch strahlenbelastet
Lengfelder hält noch heute Vorträge über die Folgen des Reaktor-Unfalls, damit diese nicht in Vergessenheit geraten. So auch am Freitag in Salzburg. Interessant und erschreckend das folgende Beispiel, über das Lengfelder berichtete: "Im Osten von Bayern müssen noch heute 70 Prozent der geschossenen Wildtiere entsorgt werden und dürfen keinesfalls gegessen werden. Der Grund dafür ist die hohe Strahlenbelastung, Spitzenwerte lagen noch vor zwei Jahren bei 48.000 Becquerel pro Kilogramm. Der Normalwert wäre nämlich ,nur‘ 600 Becquerel."

Nicht nur Fleisch, auch Pilze bergen noch heute Gefahren, wie der Salzburger Heilpraktiker Thomas Neff weiß: "Wer genüsslich einen Teller mit Speise-Pilzen isst, denkt dabei kaum über mögliche radioaktive Strahlungen nach. Dennoch sind die Spätfolgen immer noch präsent. Es kommt aber auf die Menge an." Neff, engagiertes Mitglied bei der Plattform gegen Atomgefahren (PLAGE) in Salzburg, war selbst vor 30 Jahren mit einem Geigerzähler unterwegs. Er spürte Strahlen-Nester auf dem Boden auf, wo sich kontaminiertes Wasser sammelte und so das Erdreich verseuchte. Zusammen mit Landwirten machte er sich an Grabungsarbeiten und hob diese Strahlen-Nester aus und vergrub sie meterweit unter die Erde. "So konnten wir damals die Gefahren verringern."

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