Mi, 13. Dezember 2017

Nach Abgasskandal

22.04.2016 13:23

Deutsche Hersteller rufen 630.000 Autos zurück

Der Diesel-Abgasskandal trifft nicht nur VW: Am Freitag wurde in Berlin eine beispiellose Rückrufaktion von Autoherstellern wegen hoher Abgaswerte bekannt gegeben. Audi, Porsche, Mercedes, Volkswagen und Opel wollen heuer freiwillig rund 630.000 Fahrzeuge zurückrufen, um eine Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung zu ändern. Die meisten betroffenen Wagen sollen noch im Sommer umgerüstet werden, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Autohersteller würden damit die Konsequenzen aus den Prüfergebnissen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) ziehen, die Dobrindt nach dem VW-Skandal angeordnet hatte.

Bei den knapp 60 getesteten Wagen aller Hersteller sei demnach zwar keine illegale Software gefunden worden, aber es würden "Thermofenster" genutzt - eine Steuerung, die bei niedrigen Außentemperaturen die Abgasreinigung herunterfährt, damit der Motor keinen Schaden nimmt. Bei manchen Modellen habe dies bereits bei einer Außentemperatur von 18 Grad begonnen, hieß es. Dieses Fenster werde von allen Herstellern mehr oder weniger ausgenutzt.

Die verwendeten Abschaltvorrichtungen seien nach EU-Vorgaben möglich, so der Minister. Es gebe aber Zweifel in der Untersuchungskommission, ob diese Vorrichtungen zum Schutz von Bauteilen tatsächlich notwendig seien.

Deutsche Umwelthilfe prangerte hohe Abgaswerte an
Über diese Technik hatte zuvor etwa Mercedes-Benz informiert - als Begründung für höhere Diesel-Abgaswerte im Straßenbetrieb. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte die hohen Werte bei Mercedes, aber auch bei Opel und Renault angeprangert. Mercedes hatte hingegen betont, dies sei von einer Ausnahmeregel im EU-Recht gedeckt.

Das sieht dem Regierungsvertreter zufolge auch die Abgas-Untersuchungskommission der Bundesregierung so. Doch hätten die Experten Zweifel, ob die Technik zum Bauteilschutz wirklich in allen Fällen notwendig ist. Die Bundesregierung wolle nun auf eine Klarstellung im EU-Recht hinwirken. Die Typgenehmigung des KBA soll außerdem verschärft werden. Die Hersteller müssen künftig erklären, ob und warum sie das "Thermofenster" nutzen und dies ausführlich begründen. Das Kraftfahrtbundesamt will dann weitere Tests vornehmen.

Auch Renault will Rückruf starten, BMW am saubersten
Auch ausländische Hersteller wie etwa Renault gaben Zusagen, die betroffenen Fahrzeuge zurückzurufen. Von den deutschen Herstellern waren die getesteten Fahrzeuge von BMW am saubersten. Hier sei kein Rückruf notwendig, hieß es.

Seit Bekanntwerden des Diesel-Abgasskandals bei Volkswagen ist die bisher übliche Praxis, dass Emissionen auf der Straße viel höher sind als auf dem Prüfstand, stark in die Kritik gekommen. Die DUH und der Mercedes-Mutterkonzern Daimler liefern sich seit Monaten öffentlich einen Schlagabtausch über die Abschalttechnik - die gleichwohl anders arbeitet als die illegale Manipulationssoftware von Volkswagen, die half, den für die Zulassung geforderten Testzyklus auszutricksen.

VW: 2015 größter Verlust der Konzerngeschichte
Volkswagen hatte im September des Vorjahres nach Ermittlungen in den USA eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der Wolfsburger Konzern hat sich inzwischen mit den US-Behörden, von denen der Skandal aufgedeckt worden war, auf einen umfangreichen Plan zur Bereinigung einer halben Million betroffener Diesel-Fahrzeuge verständigt.

Weltweit wurde die Software in elf Millionen Fahrzeugen des Konzerns eingebaut. Der Rückruf in Europa lief schleppend an. Die Folgen sind selbst für den deutschen Autoriesen schwerwiegend: 2015 fuhr VW mit 5,5 Milliarden Euro den größten Verlust der Firmengeschichte ein.

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