So, 17. Dezember 2017

"Baustelle Olympia"

21.04.2016 19:48

Ex-Schwimm-Held Rogan ab sofort "Krone"-Kolumnist!

Die zwei mächtigsten Institutionen Brasiliens liegen am Boden. Fußball und die Regierung. Die Schmach von 2014 ist noch nicht verdaut. Der Brasilianer auf der Straße erinnert sich an das 1:7 der Seleção gegen Deutschland fast so wie der Amerikaner an 9/11. Und die Regierung in Brasília stürzt gerade in sich zusammen. Nur einer von sieben Befragten unterstützt die Präsidentin Dilma Rousseff. Gerade haben 367 von 513 Abgeordneten für ihre Amtsenthebung gestimmt. Und in 105 Tagen beginnt Olympia!

Ein Politiker, der wie hundert andere in einen Korruptionsskandal verwickelt ist, soll dem Bürgermeister von Rio zugeraunt haben: "Unser Freundschaftssystem geht unter. Nur du wirst überleben, du hast die Spiele." Doch wie steht es um die Spiele, die ein Land, in dem das Bruttosozialprodukt um 4% schrumpft, retten sollen?

Es ist, wie ich es in Rio derzeit selbst erlebe, eine gigantische, staubige Baustelle. Der Korruptionsskandal lässt keinen Stein auf dem anderen. Das Radstadion ist nicht fertig, andere Arenen sind bereit, aber hinter den internationalen Standards. Das Schwimmstadion ist zu klein, die Sanitäranlagen erinnern an Moskau, an Klimatisierung haben sie nicht gedacht. Offensichtlich ist ein Großteil des Baubudgets hier nicht angekommen.

Angesichts der Skandale wirkt das auf den Philosophen Auguste Comte zurückgehende Motto "Ordem e progresso" (Ordnung und Fortschritt) in der Nationalfahne fast wie Hohn…

Die Athleten versuchen sich, so gut es geht, auf den Sport zu konzentrieren. Einigen ist der Zirkus in Rio zu viel geworden. Sie suchen in Los Angeles Ruhe. Seit 2014 arbeite ich mit ihnen. In der Vorbereitung gilt es, den mentalen Druck zu antizipieren und ihn zum Vorteil zu nützen. 1:7 war gestern. Das kann man nicht ändern. Aber wer heute trainiert und morgen Medaillen gewinnt, das können wir beeinflussen.

Markus Rogan auf Instagram: @mahrqoos

Markus passt zur "Krone"!
Bewundert, angefeindet, bestaunt und belächelt - kein österreichischer Sommersportler polarisiert mehr als Markus Rogan! Als olympischer Silberfisch von Athen 2004 wurde er nicht nur wegen der beiden Medaillen bejubelt, sondern auch wegen seiner Fairness: Als Sieger Aaron Peirsol über 200 Meter Rücken vor der Disqualifikation stand, trat er bei der Jury für ihn ein. Und blieb Zweiter. Damit war er Erster in den Herzen der heimischen Fans, die sich in der Folge über einige Äußerungen des Schwimmstars wunderten: Er nahm sich kein Blatt vor den Mund, wirkte allerdings auch "obergscheit". Seine intellektuellen "Kopfspiele" entzweiten die Nation. Brandheiß ist es allemal, was der 34-Jährige von sich gibt, der als Sportpsychologe in Los Angeles lebt und fürs brasilianische Olympiateam arbeitet. Er lässt sich nicht verbiegen, ihm kann man nichts vorschreiben - deswegen passt Markus auch so gut zur "Krone". Ab sofort ist er unser Kolumnist: Wir freuen uns auf spannende Diskussionen mit den Lesern!

Robert Sommer, Sportchef

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