Sa, 18. November 2017

In Lager nahe Athen

21.04.2016 06:18

Ortschefs: „Flüchtlingssituation außer Kontrolle“

Mit einem schriftlichen Appell an Ministerpräsident Alexis Tsipras haben griechische Bürgermeister auf die desolate Lage in einem Flüchtlingslager nahe Athen hingewiesen. "Die Situation ist außer Kontrolle und stellt ein enormes Risiko für die öffentliche Gesundheit dar", schrieben fünf Bürgermeister aus Vororten Athens in dem am Mittwoch bekannt gewordenen Brief. Es gebe ernsthafte Hygieneprobleme und Ansteckungsrisiken.

Für die mehr als 4100 Flüchtlinge in dem Lager stünden nicht mehr als 40 Chemietoiletten zur Verfügung, hieß es. Die Schilderungen der Bürgermeister bezogen sich auf das Lager Hellinikon am früheren Athener Flughafen, wo viele Migranten seit Wochen unter schwierigen Bedingungen hausen.

"Täglich gewaltsame Zwischenfälle"
Die Kommunalpolitiker forderten die Regierung auf, Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit zu treffen. Zudem verlangten sie mehr Polizeipräsenz, da es in dem Lager zu "täglichen gewaltsamen Zwischenfällen unter Migranten" komme.

In Griechenland sitzen derzeit rund 46.000 Flüchtlinge fest. Der Weg in die europäischen Zielländer ist ihnen versperrt, seit die Balkanroute über Mazedonien abgeriegelt ist. Hellinikon dient als behelfsmäßige Unterkunft, bis die Behörden dauerhaftere Lösungen bereitstellen können.

Bootsunglück: Hunderte Flüchtlinge ertrunken
Seit Anfang April ist das EU-Türkei-Abkommen in Kraft. Mit dieser Vereinbarung sollen illegale Ankünfte auf den griechischen Inseln verhindert werden. Tatsächlich haben sich die Neuankünfte in den vergangenen Wochen verringert. Allerdings dürften sich die Fluchtbewegungen erneut verlagert haben. Die weitaus gefährliche Mittelmeerroute über Italien ist wieder "interessanter" geworden - mit tragischen Auswirkungen: Bei einem Bootsunglück am Wochenende dürften bis zu 500 Menschen ertrunken sein.

Erst nach und nach wird das Ausmaß der Tragödie bekannt. So berichtete das UN-Flüchtlingshochkommissariat am Mittwoch, dass sich das Unglück unweit der ostlybischen Hafenstadt Tobruk ereignet habe, als Hunderte Flüchtlinge versuchten, von einem kleinen in ein größeres, bereits völlig überladenes Boot auf hoher See umzusteigen. Die heftige Bewegung und die zusätzliche Last sollen dieses zum Kentern gebracht haben.

Überlebende stammen aus Äthiopien, Somalia und Sudan
Bei den Überlebenden handelt es sich laut den Angaben um 41 Migranten aus Somalia, Äthiopien und dem Sudan. Zu ihnen zählten 37 Männer, drei Frauen und ein dreijähriges Kind, das mit seiner Familie unterwegs war. Sie wurden am Samstag aus dem Meer gerettet und trafen am Sonntag im griechischen Kalamata ein. Wann sich die Tragödie genau ereignete, ist aber weiter unklar. Berichte über die Flüchtlingskatastrophe kursieren bereits seit Montag.

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