Fr, 17. November 2017

Ex-Außenministerin:

19.04.2016 05:52

„USA müssen mehr Flüchtlinge aufnehmen“

Die USA sollten sich aus Sicht der früheren Außenministerin Madeleine Albright bei der Aufnahme von Flüchtlingen mehr engagieren. Eine Verantwortung des Westens für Massenauswanderungsbewegungen aus Ländern wie Afghanistan, dem Irak oder Syrien wollte sie im Gespräch mit der APA am Montag in Wien zugleich differenziert betrachtet wissen.

"Die USA haben viele Menschen aus Lateinamerika aufgenommen. Alles in allem haben wir auch eine sehr großzügige Einwanderungspolitik, aber sie muss überholt werden. Ich denke, die Vereinigten Staaten müssen mehr Flüchtlinge aufnehmen", sagte Albright am Rande einer Podiumsdiskussion am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM). Was Fluchtgründe betrifft, lehnte sie jedoch eine direkte US-Verantwortung ab: "Afghanistan ist eine Geschichte, die weit zurückreicht - etwa was die Sowjetunion dort gemacht hat, oder die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten von Leuten angegriffen wurden, die aus Afghanistan kamen. Außerdem haben Amerikaner und NATO-Kräfte in Afghanistan viele Opfer gebracht, und versucht, es zu richten. Daher denke ich nicht, dass der Westen dafür verantwortlich ist."

Rolle des Westens in Syrien und im Irak relativiert
Auch zum Irak und zu Syrien sagte die Leiterin des State Department in der zweiten Amtszeit von Präsident Bill Clinton (1997-2001) und entschiedene Gegnerin der US-Invasion 2003 im Irak mit Verweis auf den "entsetzlichen Diktator Saddam Hussein, der sein eigenes Volk umgebracht hat": "Die Frage ist nicht die Verantwortung des Westens für das, was passiert. Ich glaube, verschiedene Probleme innerhalb dieser Länder haben das Problem verursacht." Auch in Syrien sei "das Problem" durch "einen Führer entstanden, der auch Fassbomben gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat".

Berichte über österreichische Politik "beunruhigend"
Jedes Land solle sich gleichsam selbst bei der Nase nehmen und darüber nachdenken, wie es sich besser zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms einbringen könne, so Albright. So hätten sie Berichte über die österreichische Flüchtlingspolitik "beunruhigt", Berichte über die ungarische von Ministerpräsident Viktor Orban "entsetzt". "Nicht ein einziger Staat kann hier Verantwortung übernehmen, sondern sicherlich muss es eine Verantwortung für internationale Zusammenarbeit geben, für die Menschen, die von überall herkommen."

"Warum sind wir nicht fähig, damit fertigzuwerden?"
Die bisherigen internationalen Strukturen zur Bewältigung von Flüchtlingskrisen sollten nach Meinung Albrights trotz Lobes für den Einsatz des UNO-Flüchtlingshochkommissariats überdacht werden, "denn was wir im Vorjahr oder schon länger gesehen haben, ist, dass das System nicht gut genug organisiert ist, um mit einer so großen Zahl fertigzuwerden. Eine der Fragen ist, warum wir nicht fähig sind, Fälle schneller zu bearbeiten und die Menschen an den richtigen Ort zu bekommen mit den vielen technischen Möglichkeiten, die wir haben", so die 78-jährige US-Amerikanerin tschechischer Herkunft.

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