Fr, 25. Mai 2018

VR-Survival im Test

19.04.2016 10:05

"Adr1ft": Wenn dem Astronauten die Luft wegbleibt

In "Adr1ft" schicken 505 Games und das Spielestudio Three One Zero Spieler auf eine Raumstation im erdnahen Orbit - wahlweise in der Virtuellen Realität oder am PC. Leider löst sich die Station nach kurzer Zeit in ihre Einzelteile auf und lässt den Spieler als einzigen Überlebenden inmitten des Trümmerfelds zurück. Wie sich das allein schon aufgrund chronischer Sauerstoffknappheit atemberaubende Game spielt, hat krone.at getestet.

Sein ganzes Potenzial entfaltet "Adr1ft" wohl nur in der virtuellen Realität, wenn es den Spieler in einen Raumanzug pfercht und durch das im Orbit treibende Trümmerfeld führt. Das Game ist für Oculus Rift und bald auch HTC Vive verfügbar und zählt zu den optisch bislang vielversprechendsten Titeln für die virtuelle Realität. Man kann es aber auch ganz klassisch am PC spielen, wenn man mag. Das haben wir getan - und auch ohne Rundumblick gestaunt.

Wunderschöne und detailverliebte Raumstation
Das, was der Titel im erdnahen Orbit an optischen Reizen bereithält, weiß nämlich auch plan am Bildschirm zu gefallen. Texturen, Lichteffekte, Weitsicht: Optisch macht "Adr1ft" dank Unreal-Engine eine exzellente Figur, überdies wurde die zerstörte Raumstation, durch die sich Spieler in ihrem Raumanzug arbeiten, mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Da finden sich sogar Dinge an Bord, die man nicht auf einer Raumstation erwarten würde - etwa ein schwebendes Gewächshaus.

Handlung zum Selberbauen
Die Handlung muss sich der Spieler dabei selber zusammenbauen. Während der eine Handvoll Stunden dauernden Odyssee im Orbit - im Test fühlten wir uns dabei an den Hollywood-Streifen "Gravity" erinnert - stößt man auf persönliche Gegenstände der früheren Stationsbewohner.

Fotos, Schriftstücke und Computerinformationen helfen mit der Zeit, so etwas wie eine Handlung zu konstruieren, allzu spannend empfanden wir diese Art der Erzählung allerdings nicht. Sprachausgabe gibt's nur selten und wenn, dann nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln.

Sauerstoffknappheit als Spielprinzip
Selbiges gilt leider auch für das restliche Gameplay. Denn: Abgesehen von der Suche nach Hinweisen bietet "Adr1ft" dem Spieler wenig Herausforderungen. Es gilt, sich schwebend durch die Station zu arbeiten und zur Rettungskapsel vorzudringen, die einen hoffentlich in einem Stück wieder auf die Erde bringt.

Der Clou: Der Spieler leidet dabei unter ständiger Sauerstoffknappheit, muss die Augen nach Nachschub in Form von Ladestationen und herumtreibenden Sauerstoffflaschen offen halten - und darf das wertvolle Gut dann nicht mal exklusiv zum Atmen benutzen, sondern braucht es auch als Treibstoff für die Schubdüsen seines Raumanzugs.

Die Folge: Während man Schalter drückt und nach Hinweisen, Hilfsmitteln und Raumanzug-Upgrades sucht, muss man stets teuflisch auf den Sauerstoffnachschub achten und sich behutsam bewegen.

Frustmomente durch Luftmangel
Verpasst man es, rechtzeitig für Nachschub zu sorgen, segnet man das Zeitliche. Das fügt der Erkundungstour im Orbit eine beklemmende Survival-Facette hinzu, so richtig spannend macht "Adr1ft" aber auch der chronische Sauerstoffmangel nicht.

Trotz der coolen Spielwelt und des unverbrauchten Gameplays lahmt der Titel nämlich an seiner gesichtslosen Heldin, der mäßig packenden Story, vereinzelten Orientierungsschwierigkeiten - und einigen sauerstoffbedingten Frustmomenten. Zum Glück sind die Speicherpunkte großzügig verteilt, ein virtueller Tod vernichtet also nicht allzu viel Fortschritt.

Erkundungs-Modus verzichtet auf Luftmangel
Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade fehlen, es gibt aber einen Erkundungs-Modus, bei dem der chronische Sauerstoffmangel fehlt und mehr Zeit für das Erforschen der Station an sich bleibt.

Ohne den ständigen Druck, nach Luft zu suchen, hat man dann Zeit, neben den optischen Reizen der Raumstation dem durchaus gelungenen Soundtrack zu lauschen und stört sich nicht so sehr an der ungenauen Navigation, die einen bei Sauerstoffmangel schon mal ohne lebendige Wiederkehr in eine Sackgasse führt.

Fazit: Als blickfeldfüllendes Virtual-Reality-Erlebnis mag "Adr1ft" bleibenden Eindruck hinterlassen, als Spiel überzeugt es nach konventionellen Maßstäben aber nicht restlos. Die hübsche und liebevoll gestaltete Spielwelt sorgt zwar für einen vielversprechenden Start, für die meisten Spieler gibt es im Trümmerfeld aber wohl schlichtweg nicht genug zu tun. Sauerstoffmangel allein ist kein Spielkonzept und auch aus der Selbstbau-Story mit Artefakten und Schalterrätseln ist trotz 20-Euro-Budgetpreis - man verzeihe das platte Wortspiel - schnell die Luft raus.

Plattform: PC (Steam, Oculus)
Publisher: 505 Games
krone.at-Wertung: 6/10

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