Di, 21. November 2017

Null-Zins-Politik

16.04.2016 08:04

Treichl: „Sparer sind die großen Verlierer“

Null Zinsen, zu wenig Kreditnachfrage: Erste-Group-Chef Andreas Treichl spricht im "Krone"-Interview über die fatalen Folgen einer verfehlten Geldpolitik in der Eurozone. "Die Sparer sind die großen Verlierer der Null-Zins-Politik. Aber Negativzinsen wird es für sie nicht geben", sagt Treichl.

"Krone": Die EZB hat die Zinsen auf null gesetzt, davon profitieren die Staaten mit hoher Verschuldung. Die Wirtschaft springt nicht an, die Sparer werden weiter enteignet. Macht das dann noch Sinn?
Andreas Treichl: Das kommt mir vor wie bei einem Arzt, der nach der wenig erfolgreichen Operation dem Patienten sagt, ohne OP wäre er noch schlechter dran gewesen. Aber im Ernst: Das Rezept hilft nicht, weil die hoch verschuldeten Staaten nicht so reagieren, wie sie müssten, nämlich die Niedrigzinsen für Strukturreformen zu nützen und Impulse fürs Wachstum zu geben. Da zähle ich Österreich dazu.

"Krone": Es ist unglaublich viel billiges Geld da, das nichts kostet und das trotzdem keiner will.
Treichl: Viele behaupten, dass wir Banken zu blöd sind, um den Leuten Kredite zu geben. Dabei ist das völlig realitätsfremd. Es interessiert niemanden, ob er für zehn Jahre ein paar Zehntel mehr oder weniger zahlt, wenn er Geld ausborgt. Die Politik versteht es nicht, den Menschen Vertrauen in die Zukunft zu geben. Das ist aber die Voraussetzung für Investitionen.

"Krone": Oder sie erfüllen die geforderten Sicherheiten nicht.
Treichl: Unser ureigenstes Geschäft ist es, Kredite zu geben. Doch das hat man zu Tode reguliert. Wenn heute jemand mit einer Geschäftsidee kommt und wir vertrauen ihm, dann können wir ihm trotzdem nichts geben, wenn er die Vorschriften nicht erfüllt und z.B. zu wenig Eigenkapital hat. Das ist in Wahrheit zynisch und ein wirkliches Drama. Denn die Kreditvergabe an Private und KMUs hat mit der Finanzkrise nie etwas zu tun gehabt - und trotzdem sind das jetzt die Leidtragenden.

"Krone": Wenn sie das Geld behalten und selber veranlagen, müssen sie Strafzinsen bei der EZB zahlen. Manche Banken verlangen das auch schon von ihren Geschäftskunden.
Treichl: Die großen Verlierer der Null-Zinsen sind die Sparer, weil die Inflation höher ist als die Mini-Zinsen. Österreich schafft die Kunst, dass die Inflation dank Gebührenerhöhungen deutlich über der Eurozone liegt.

"Krone": Müssen Sparer auch damit rechnen, dass sie für ihr Geld auf der Bank zahlen müssen?
Treichl: Nein, da sind wir uns der sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst. Das wäre ein grauenhaftes Zeichen für das Wirtschaftsklima.

"Krone": Was würden Sie einem Sparer raten, was er machen soll?
Treichl: Da sind wir Banken gefordert, dass wir Produkte anbieten, mit denen er wenigstens ein bisschen etwas bekommt. Das erfordert viel Beratung. Das gilt auch bei der Altersvorsorge, wo es kaum mehr Erträge für die Kunden gibt. Zehn Jahre ohne Zinsen sind für die Pensionsvorsorge dramatisch, da droht uns eine Altersarmut.

"Krone": Also mit wie viel Prozent im Jahr kann ich rechnen, wenn ich Geld länger veranlage und professionell beraten werde?
Treichl: Na an die zwei Prozent sollten schon drin sein. Für kurzfristige Veranlagungen gibt es nichts. Wenn ich heute auf einem Girokonto 0,02% Zinsen anbiete, kommen gleich ein paar deutsche Milliardäre, weil sie für hohe Beträge wenigstens etwas kriegen (lacht).

"Krone": Da stellt sich die Frage, wo Banken noch verdienen. Kommen neue Gebühren?
Treichl: Man muss die Kosten im Griff haben und effizient sein. Oder ich kann meine Marktanteile erhöhen. Nur jene Banken, die eines davon schaffen, werden überleben.

"Krone": Werden die Zinsen länger so tief bleiben?
Treichl: So schnell wird sich nichts ändern. Daher ist es wichtig, dass es zu einer Gegenbewegung kommt. Da ist die Politik gefordert, dass sie Rahmenbedingungen schafft, damit Firmen wieder investieren und Banken wieder Kredite vergeben können.

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