Di, 21. November 2017

VR, Sexbots & Co.

15.04.2016 11:51

So verändern neue Technologien unseren Sex

Techtelmechtel in der Virtuellen Realität, lebensechte Sexroboter und mit Sensoren gespicktes Spielzeug für Erwachsene: Was vor wenigen Jahren noch als Idee der Science-Fiction abgetan worden wäre, ist heute drauf und dran, den Massenmarkt zu erobern. Aber wie verändern neue Technologien unser Sexleben genau? Ein Blick in die Zukunft der menschlichen Intimität.

Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" zeigt anhand einiger Beispiele, dass Hightech längst Einzug ins Sexualleben der Menschheit hält. Zahlreiche Innovatoren auf der ganzen Welt - von klassischen Porno-Produzenten über Tech-Start-ups bis hin zu Designern und Künstlern - treiben die Technisierung des Sex voran. Hier sehen Sie einige der Wegbereiter:

Intelligentes und vernetztes Sexspielzeug
Sensoren, die alle möglichen externen Vorgänge erfassen, sind heute in vielen Geräten Alltag. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Vibratorproduzenten die neuen technologischen Möglichkeiten zunutze machen. Einer dieser Pioniere ist das US-Start-up Lioness, das über die Crowdfunding-Seite Indiegogo Geld für einen mit Sensoren gespickten Massagestab gesammelt hat.

Das fast zur Gänze von Frauen betriebene Unternehmen verspricht, dass sein intelligentes Sextoy während der Nutzung mit fünf Sensoren allerlei Muskelbewegungen, die Körpertemperatur und andere physiologische Vorgänge protokolliert und die Auswertungen in einer Smartphone-App übersichtlich darstellt.

Die Idee dahinter: Der Lioness-Vibrator soll seinen Nutzerinnen nicht nur Freude bereiten, sondern auch Informationen über die Vorgänge in ihrem Körper liefern und so dabei helfen, diesen besser zu verstehen. Die gesammelten Daten könnten - freilich anonymisiert - zudem für wissenschaftliche Analysen der weiblichen Sexualität herangezogen werden.

Sex in der Virtuellen Realität
Neben Sensoren drängt eine weitere aufstrebende Technologie in die menschliche Sexualität: Virtual Reality. Gerade erst sind mit der Oculus Rift und der HTC Vive die ersten Virtual-Reality-Brillen für den Massenmarkt erschienen, schon arbeiten Pornoproduzenten wie "Naughty America" daran, erotische Inhalte für die neuen Geräte zu produzieren.

Momentan durch die hohen Hardware-Preise noch ein Nischenprodukt, trauen manche Brancheninsider Virtual Reality einen echten Siegeszug im pornografischen Bereich zu.

Da passt es ins Bild, dass die ersten Unternehmen bereits am passenden Zubehör arbeiten. Erst vor einigen Tagen hat etwa ein japanisches Unternehmen den wohl ersten Ganzkörper-Sexanzug für die virtuelle Realität enthüllt. Andere Firmen - etwa Tenga - arbeiten an ähnlichen Systemen, die der virtuellen Welt eine physische Dimension hinzufügen sollen.

Langfristig hoffen die Macher solcher Systeme sogar, ihre Produkte an Paare verkaufen zu können, die etwa in einer Fernbeziehung leben und keine andere Möglichkeit des sexuellen Kontakts als jene über die virtuelle Welt haben.

Lebensechte Sexroboter kommen
Künstliche Sexpartner, die nicht - wie bei virtueller Realität - aus Pixeln bestehen, sondern greifbar sind, wollen derweil Innovatoren wie der US-Künstler Matt McMullen herstellen. Er arbeitet an lebensecht anmutenden Sexrobotern, die dank Künstlicher Intelligenz eines Tages Unterhaltungen mit ihren Benutzern führen und mehrere Zehntausend US-Dollar kosten sollen. Marktreif sind solche Roboter aber noch nicht - obwohl Studien zufolge durchaus Käufer dafür zu finden wären.

Solche Systeme werfen allerdings auch Fragen auf - etwa jene nach den Rechten an einer Person. Erst kürzlich hat ein Tüftler aus Hongkong namens Ricky Ma mit dem Bau eines lebensechten Scarlett-Johansson-Roboters auf seiner Terasse für Aufsehen gesorgt. Zwar ist seine Schöpfung "Mark 1" nicht explizit als Sexbot konzipiert, trotzdem wirft das Werk Fragen auf. Können Roboter-Hersteller einfach Prominente "kopieren"? Wer hat das Recht am Erscheinungsbild von Promis?

Dem Wirtschaftsmagazin zufolge die Promis selbst - zumindest, wenn jemand sie kopiert und die Kopie mit Gewinn verkaufen will. Wie es sich bei Bastlerprojekten wie jenem aus Hongkong verhält, die nicht des Geldes wegen realisiert werden, steht aber auf einem anderen Blatt. Manche Beobachter der Entwicklungen sind jedenfalls bereits beunruhigt. In Großbritannien gibt es sogar schon eine Initiative zum Verbot von Sexrobotern.

Neue Technologien werfen neue Fragen auf
Ganz allgemein werfen die genannten neuen Technologien neue Fragen auf. Im Falle des Lioness-Massagestabs dürften potenzielle Nutzer durchaus ein Interesse an der Sicherheit der gesammelten Daten haben. Der Hersteller verspricht Verschlüsselung und Anonymisierung, doch Hacker haben auch schon andere für sicher gehaltene Dienste unterwandert. Drohen etwa Stars, die ein solches Gerät künftig in Gebrauch haben, publikumswirksame Sex-Leaks wie einst beim iCloud-Nacktfotoskandal? Ausschließen lässt sich so ein Szenario nicht.

Ebenso werfen die anderen neuen Sextechnologien Fragen auf. Ist es Betrug am Partner, wenn der Besitzer einer Virtual-Reality-Brille sich mit jemand anderem in den Weiten des Cyberspace zum VR-Intermezzo trifft? Ist es rechtswidrig, wenn ein VR-Nutzer ein digitales Abbild eines Stars oder einer privaten Bekanntschaft erstellt, um virtuellen Sex damit zu haben?

Und wie sähe es erst aus, wenn solche nicht autorisierten Kopien echter Menschen dann nach Download der Vorlage als Roboterüberzug aus dem 3D-Drucker bereitstünden? Solche und ähnliche Fragen werden in Zukunft nicht nur die Menschen beschäftigen, die ihr Sexleben mit neuen Technologien anreichern, sondern wohl auch Gerichte.

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