Mi, 18. Oktober 2017

Kein Platz oder Geld

15.04.2016 08:44

Tierheime in Oberösterreich stecken in der Krise

Über 1500 Vierbeinern haben die Tierheime Linz, Wels, Steyr und Freistadt sowie die "Pfotenhilfe Lochen" 2015 ein neues Zuhause vermitteln können. Trotzdem kämpfen die Einrichtungen mit Platzproblemen, auch finanziell schaut es zurzeit nicht rosig aus.

Die Ruhe vor dem Sturm herrscht im Linzer Tierheim. "Ab Juni erwarten wir die Babykatzen. Daher müssen wir nach und nach Platz schaffen", ist Tierheimreferentin Lydia Just gewappnet. Im Sommer ist Hochsaison, und in den oberösterreichischen Heimen werden mehr Hunde und Katzen landen als Platz ist. Nicht selten gibt es Aufnahmestopps. 2015 haben 962 Katzen - 626 davon waren Findlinge - und 209 Hunde im Linzer Heim gelebt.

Hunde sitzen teils Jahre im Heim
Die meisten Samtpfoten bleiben nicht länger als sechs Monate, bei Bellos können es Jahre werden. Für sie soll bald das 30 Jahre alte Hundehaus neu gebaut werden. Just: "Wir hoffen auch, dass wir für die Wildkatzen einen Hof mit Freigehege finden. Überall ist es schöner als im Heim."

"Immer noch werden Tiere verschenkt"
Die Arche Wels bot im Vorjahr 500 Katzen und 150 Hunden einen Unterschlupf - rund 520 Vierbeiner wurden vermittelt. Die "Pfotenhilfe Lochen" hat 412 Tiere aufgenommen. 111 Wildtiere konnten nach der Versorgung ausgewildert werden, 121 "Bewohner" fanden ein neues Zuhause. Zudem wurden mehr als 400 Streunerkatzen kastriert. Pfotenhilfe-Sprecher Sascha Sautner beklagt: "Leider werden immer noch zu viele Tiere verschenkt. Zu Weihnachten 2015 haben wir zwölf, heuer zu Ostern 22 Geschenks-Tiere bekommen."

Tierliebhaber überschätzen sich oft
Allergien und psychische Probleme gehören auch zu den Gründen, warum Besitzer mit ihrem Haustier nichts mehr anfangen können. "Die meisten Neuankömmlinge wurden unüberlegt angeschafft, Tierliebhaber überschätzen sich oder informieren sich zu wenig. Ein Besitzer braucht halt Zeit und Geduld. Besonders zu kämpfen haben wir mit Tieren, die aus dem Ausland oder Internet kommen", so Monika Stadler vom Steyrer Tierheim - siehe Interview unten.

Immer mehr Vierbeiner aus dem Ausland
Nach Freistadt werden regelmäßig Tiere aus Tschechien gebracht. "Viele glauben, dass es den Tierheimen hierzulande eh gut geht, sie wollen lieber ein Tier im Ausland 'retten'. Die landen meist erst recht bei uns", weiß Heimleiterin Karin Binder, die jährlich 80 bis 100 Hunde sowie 150 bis 200 Katzen betreut. Zumindest wird bald der 336.000 Euro teure Zubau fertig, der dringend notwendigen Platz schaffen soll - 6000 Euro muss das Tierheim aufbringen, den Rest zahlen Land OÖ und Stadt.

Über 200 Katzen sowie 50 Hunde wurden im Vorjahr in Steyr vermittelt. Trotzdem ist das Heim laut Leiterin Monika Stadler überfüllt.

"Krone": Frau Stadler, wo zwickt's?
Monika Stadler: Immer mehr Menschen holen sich im Ausland Tiere oder bestellen sie im Internet. Die sind dann oft nicht so, wie erhofft, und werden abgegeben. Manchmal schleppen sie Krankheiten ein. Wir haben Platz für 15 Hunde, sind immer am Limit. Bei Katzen ist die Nachfrage groß, aber Hunde bleiben oft Jahre.

"Krone": Was passiert mit unvermittelbaren Tieren?
Stadler: Wir versuchen, ihnen die Zeit bei uns so angenehm wie möglich zu machen.

"Krone": Das kostet viel Geld.
Stadler: Wir sind auf Geld- und Sachspenden sowie auf freiwillige Hilfe angewiesen. Und machen uns jedes Jahr Sorgen, ob es sich ausgeht.

"Krone": Ihr größter Wunsch?
Stadler: Wenn die Erhaltung des Heimes auf Jahre gesichert wäre, wäre das toll.

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