Mi, 23. Mai 2018

Im eigenen Land

13.04.2016 18:33

Sexvideo-Affäre: Karim Benzema verpasst EURO

Der französische Fußball-Star Karim Benzema wird die EM 2016 im eigenen Land wegen seiner Verwicklung in eine Erpressungsaffäre verpassen. Der 28-jährige Stürmer von Real Madrid werde nicht für das Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli berücksichtigt, teilte der französische Verband (FFF) am Mittwoch mit. FFF-Präsident Noel Le Graet und Nationalcoach Didier Deschamps hätten dies gemeinsam beschlossen.

Benzema wird beschuldigt, bei einer Erpressung seines Nationalteam-Kollegen Mathieu Valbuena als Komplize agiert und für die Haupttäter vermittelt zu haben. Valbuena war im Juni mit der Veröffentlichung eines Sexvideos bedroht worden, sollte er nicht 150.000 Euro zahlen. Im Dezember 2015 war Benzema deswegen für unbestimmte Zeit aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden. Zwar hob das zuständige Gericht in Versailles Mitte März die richterliche Kontrolle gegen den Angreifer auf, der Valbuena für Monate weder treffen noch mit ihm sprechen durfte - die Ermittlungen laufen aber weiter.

Aus juristischer Sicht wäre einer EM-Nominierung von Benzema nichts im Wege gestanden. Dennoch kamen Le Graet und Deschamps bei einem Treffen zu dem Thema am Mittwoch überein, auf den derzeitigen Topscorer der "Equipe Tricolore" bei der Europameisterschaft zu verzichten, teilte die FFF in einem Statement mit.

Vorbildwirkung als wichtiges Kriterium
"Der Verbandspräsident und der Trainer halten fest, dass die sportliche Leistung ein wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige bei der Entscheidung ist, für die französische Nationalmannschaft ausgewählt zu werden", heißt es. Gleichermaßen käme es auf die Fähigkeit der Spieler an, "zu einem Gefühl der Zusammengehörigkeit beizutragen" und sich für die Vorbildwirkung und den Erhalt der Gruppe einzusetzen. "Demzufolge haben Noel Le Graet und Didier Deschamps beschlossen, dass Karim Benzema nicht an der EURO 2016 teilnehmen kann."

Benzema hatte Minuten vor der Äußerung des Verbandes auf seinem Twitter-Konto offenbart, dass er die Europameisterschaft verpassen wird. "Unglücklicherweise für mich und alle, die mich immer unterstützt haben, werde ich nicht für unsere EURO in Frankreich nominiert werden", schrieb der 28-Jährige aus Lyon mit algerischen Wurzeln, der in 81 Auftritten im Nationaltrikot 27 Tore erzielt hat. Der Verband hatte ursprünglich angekündigt, dass die Entscheidung erst am kommenden Freitag, 15. April, bekanntgegeben werde.

Die Debatte, ob Benzema von Deschamps pardoniert werden soll oder nicht, hatte Frankreich wochenlang in Atem gehalten. Die öffentliche Unterstützung für ihn war dabei aber eher spärlich. Den endgültigen Ausschluss des Stürmers forderten unter anderem Frankreichs Premierminister Manuel Valls und der Boss der Profiliga, Frederic Thiriez.

Kritiker verwiesen darauf, dass die Nationalmannschaft auch ohne Benzema in der Offensive exzellent bestückt sei. In den vergangenen beiden Testspiel-Siegen gegen die Niederlande (3:2) und Russland (4:2) erzielten "Les Bleus" sieben Tore, sechs unterschiedliche Spieler trafen. Häufig wurde auch daran erinnert, dass Frankreich Trainer beim WM-Sieg 1998, Aime Jacquet, schon vor der EM-Endrunde 1996 bewusst auf Eric Cantona verzichtete. Der war zweifellos ein hochkarätiger Stürmer und seinerzeit der Star von Manchester United. Auf und abseits des Platzes galt er jedoch als schwieriger Charakter, der sich einige Verfehlungen geleistet hatte.

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