Sa, 21. Oktober 2017

In Lehrschreiben

08.04.2016 14:50

Papst geht vorsichtig auf Wiederverheiratete zu

Der Papst geht in einem Lehrschreiben zu Familie und Ehe auf Wiederverheiratete zu, ohne jedoch an den Grundfesten der bisherigen Kirchenregeln zu rütteln. Franziskus ändert in dem am Freitag veröffentlichten Dokument "Amoris Laetitia - über die Liebe in der Familie" die bestehenden Gesetze für wiederverheiratete Geschiedene nicht, lässt aber mehr Spielraum für Einzelfallentscheidungen. Kardinal Christoph Schönborn, der das Schreiben im Vatikan präsentierte, sprach von einem "wunderschönen Text".

Mit dem Lehrschreiben fasst der Papst die Ergebnisse zweier Bischofstreffen zum Thema Ehe und Familie mit seinen eigenen Schlussfolgerungen zusammen. Im vergangenen Jahr hatten die Bischöfe in ihrem Abschlusspapier für eine vorsichtige Öffnung plädiert und Einzelfallprüfungen angeregt. Diese Idee greift Franziskus wieder auf, jedoch ohne verbindliche Vorgaben zu machen. So heißt es in dem rund 190 Seiten umfassenden Dokument, dass es wegen der zahllosen Unterschiede konkreter Situationen klar sei, "dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte".

Franziskus: "Niemand darf auf ewig verurteilt werden"
In Hinblick auf die Teilnahme an der Kommunion appelliert der Papst an das Gewissen Wiederverheirateter und setzt auf die pastorale Kompetenz der Priester. Franziskus fordert eine "verantwortungsvolle persönliche und pastorale Unterscheidung der spezifischen Fälle" sowie Barmherzigkeit und Integration. "Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums", so das Kirchenoberhaupt.

In Bezug auf homosexuelle Paare spricht sich der Papst wie schon bei früheren Gelegenheiten gegen jegliche Diskriminierung aus. Er fordert einen respektvollen Umgang, rüttelt aber nicht am katholischen Status quo. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften stünden keineswegs auf einer Stufe mit der Ehe zwischen Mann und Frau, heißt es in dem Lehrschreiben.

"Die erotische Dimension der Liebe ist ein Geschenk Gottes"
Im Zentrum des Textes steht die Liebe mit all ihren Facetten. Dabei spricht der Papst auch ohne jede Peinlichkeit Themen wie Leidenschaft und Erotik an, die bisher in der katholischen Kirche meist ein Tabu waren. "Wir dürfen die erotische Dimension der Liebe keineswegs als ein geduldetes Übel oder als eine Last verstehen, sondern müssen sie als Geschenk Gottes betrachten", schreibt er.

Franziskus erklärt zudem, nicht alle "doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen" müssten durch ein "lehramtliches Eingreifen" entschieden werden. "Es wird Aufgabe der verschiedenen Gemeinschaften sein, stärker praxisorientierte und wirkungsvolle Vorschläge zu erarbeiten."

Schönborn: "Etwas in Sprache der Kirche hat sich verändert"
Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, bezeichnete "Amoris Laetitia" als "wunderschönen Text", der darauf abziele, alle Gläubigen - und nicht nur Verheiratete - einzuschließen. "Etwas in der Sprache der Kirche hat sich verändert", sagte der Kardinal bei der Präsentation des Schreibens in Rom. Franziskus habe einen Ton gewählt, der voller Achtung und Respekt für alle Menschen sei und ihnen Mut mache. Dem Papst gehe es um "ein genaues Hinsehen auf die Lebensrealitäten und Lebensumstände der Menschen".

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