Sa, 18. November 2017

Doskozil in Skopje

07.04.2016 16:32

Mazedonien: Ein Magnet für Extremisten aller Art

In Zeiten der Flüchtlingskrise darf man nicht heikel sein. So besuchte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil nach einer Kurzvisite in Griechenland am Freitag die ex-jugoslawische Mini-Republik Mazedonien. Der seltsame und schwer durchschaubare Pufferstaat am unteren Rand der Balkanroute bot für den Gast aus Österreich auch alles auf, was er hat.

Und das ist nicht viel. Geschenke gab es dennoch. Jedenfalls lohnt es sich, ein Auge auf das kleine Land zu haben, das an Griechenland, Albanien, den Kosovo und Bulgarien grenzt. Rund 1200 Kilometer von Österreich entfernt, ist das Land mit zwei Millionen Einwohnern - Mazedoniern, Albanern, Türken, Roma, Serben und Bosniaken - ein explosiver Mikrokosmos und Magnet für Extremisten aller Art, die durch die Flüchtlingswelle auf den europäischen Kontinent gespült werden.

Schließlich bekommt man in Mazedonien alles: Drogen, Schlepper, Schmuggler, Kalaschnikows. Nur echte Arbeit gibt es kaum. In dem postsozialistischen Staat, einem der ärmsten Europas, hat es sich nur die übliche korrupte Elite ganz gut gerichtet, die ziemlich eng mit den staatlichen Institutionen verbunden ist. Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 30 Prozent, unter den Jugendlichen haben 40 Prozent keinen Job, das Durchschnittseinkommen macht etwa 340 Euro im Monat aus. Ein Drittel der Bevölkerung lebt in Armut.

Stabile Infrastruktur für Dschihadisten
Keine idealen Bedingungen jedenfalls, um ein neuer Partner der Europäer beim Management der Flüchtlingskrise zu sein. Dass sich in der Nacht auf Donnerstag das mazedonische Parlament aufgelöst hat und für Juni Neuwahlen angesetzt sind, ist in dem mit demokratischen Vorgängen noch mäßig vertrauten Balkanstaat eine Notiz am Rande.

Zudem berichten Beobachter in Mazedonien am Rande des Besuchs von Verteidigungsminister Doskozil von wenig beruhigenden Entwicklungen aus der dortigen Islamistenszene. Auf dem Land seien immer wieder Fahnen von Dschihadisten zu sehen, auch die berühmten schwarzen Flaggen der IS-Kämpfer sollen aufgetaucht sein. Das deckt sich mit den Nachrichten aus Bosnien, wo sich mittlerweile eine stabile Infrastruktur für islamistischen Terrorismus etabliert haben soll.

Nachtsichtgeräte aus Österreich
Kein gutes Zeichen: Wirtschaftliches Interesse an Mazedonien zeigt nur das islamische Emirat Katar. Das will einen Stützpunkt für seine Fluglinie in der mazedonischen Hauptstadt Skopje errichten.

Doskozil hat seinem mazedonischen Amtskollegen Zoran Jolevski jedenfalls einmal 15 Nachtsichtgeräte zur Kontrolle der Grenze mitgebracht. Denn nur ein paar Kilometer von Mazedonien entfernt ist das griechische Flüchtlingslager Idomeni, das in den nächsten Tagen aufgelöst werden soll. Dort harren noch etwa 12.000 Menschen aus - marschbereit vorzugsweise Richtung Norden nach Europa, wenn es irgendwie geht.

Zuvor hatte Doskozil bei seiner Griechenland-Visite in der Nähe des Hafens Piräus noch ein Flüchtlingslager besucht: mit rund 2000 Menschen, überwiegend Afghanen, wenige Syrer. Es ist ein militärisches Vorzeigelager, das die griechische Armee dort innerhalb von elf Tagen aufgebaut hat. Die Griechen bemühen sich nach Kräften, aber der Zustand ist elendig. Dass hier keiner bleiben will, ist klar - wo die Reise der Flüchtlinge endet, unklar.

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