Di, 17. Oktober 2017

Einsatz in Nyon

06.04.2016 18:35

„Panama-Leaks“: Polizei durchsucht UEFA-Zentrale

Die Schweizer Bundespolizei hat nach Berichten über angeblich zweifelhafte Geschäfte des früheren UEFA-Generalsekretärs und heutigen FIFA-Chefs Gianni Infantino die Zentrale der Europäischen Fußball-Union in Nyon durchsucht. Die Beamten forderten Einsicht in die Verträge zwischen der UEFA und der Briefkastenfirma Cross Trading. "Natürlich stellt die UEFA der Bundespolizei alle relevanten Dokumente in ihrem Besitz zur Verfügung und wird vollumfänglich kooperieren", hieß es.

Ermittelt wird offenbar wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell der Veruntreuung". Das Strafverfahren richtet sich derzeit allerdings nicht gegen eine konkrete Person, hieß es in einer Stellungnahme. Es stehe "im Zusammenhang mit dem Erwerb von TV-Übertragungsrechten und richtet sich gegen unbekannte Täterschaft", teilte die Behörde mit.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor unter Berufung auf die "Panama Papers" berichtet, dass Infantino 2006 in seiner Funktion als Direktor der UEFA-Rechtsabteilung Verträge mit Cross Trading unterzeichnet haben soll, deren Eigentümer zwei der heutigen Angeklagten im FIFA-Skandal waren. Dabei ging es um Fernsehrechte. Die südamerikanischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis sollen mit den Verträgen damals TV-Rechte für die Champions League erworben und diese mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiterverkauft haben.

Kauf für 110.000 Dollar, Verkauf für 311.000 Dollar
Gemäß den Enthüllungen der "Panama Papers" soll die Briefkastenfirma die Rechte für 110.000 US-Dollar erworben und für 311.000 Dollar an die ekuadorianische Firma Teleamazonas weiterverkauft haben. Laut einer Mitteilung von TEAM Marketing an die Nachrichtenagentur AFP habe Cross Trading in dem Verfahren im Auftrag von Teleamazonas gehandelt.

Die UEFA verwehrte sich indes gegen Vorwürfe, die Organisation oder Infantino als Einzelperson hätten sich etwas zuschulden kommen lassen. In einer separaten Stellungnahme heißt es, die Vergabe der Rechte an Cross Trading/Teleamazonas sei nach einem "fairen und transparenten Prozess" erfolgt, der von der in Luzern ansässigen Firma TEAM Marketing durchgeführt worden sei. Laut der Webseite des Unternehmens ist Infantino Mitglied des Aufsichtsrats.

Falsche Angaben im Herbst 2015
Vorwerfen lassen müssen sich UEFA und Infantino, dass sie zunächst falsche Auskünfte gegeben haben. Zunächst hatte die Konföderation im September 2015 der "SZ" verneint, dass es "geschäftliche Beziehungen" mit Angeklagten im FIFA-Skandal gegeben hätte. Erst vor gut einer Woche habe die UEFA eingeräumt, dass es einen Vertrag mit der Firma von Jinkis gab. Zur Zeit der ersten Antwort habe man noch nicht "jeden unserer Tausenden von Werbeverträgen" überprüft, teilte die UEFA mit.

Der ebenfalls durch die "Panama Papers" in Bedrängnis gebrachte Anwalt Juan Pedro Damiani aus Uruguay trat am Mittwoch indes aus der FIFA-Ethikkommission zurück. Er soll drei Angeklagten im FIFA-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fußball-Funktionäre bestochen worden sein sollen.

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