So, 22. Oktober 2017

Karte des Grauens

06.04.2016 10:32

So viele Hinrichtungen wie seit 1990 nicht mehr

Die Zahl der weltweiten Hinrichtungen hat im Vorjahr mit mindestens 1634 einen neuen Höchstwert erreicht. Das geht aus dem jährlichen Bericht von Amnesty International hervor, der seit Mittwoch vorliegt. In keinem der vergangenen 25 Jahre wurden demnach mehr Todesurteile vollstreckt. Die Menschenrechtsorganisation geht aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch weit höher liegt. Zum Stichdatum 31. Dezember 2015 waren laut Amnesty weltweit mindestens 20.292 zum Tode Verurteilte in Haft.

"Verstörend und besorgniserregend" nennt Heinz Patzelt, der Generalsekretär von Amnesty Österreich, diese Entwicklung. "Den Hauptanteil an diesem dramatischen Anstieg machen Hinrichtungen im Iran, in Pakistan und Saudi-Arabien aus", so Patzelt. "Dort werden viele Menschen nach oftmals unfairen Prozessen als politisches Unterdrückungsmittel zum Tode verurteilt."

Iran exekutiert sogar Minderjährige
Der Iran hat im Vorjahr laut Amnesty mindestens 977 Menschen hinrichten lassen - die meisten wegen Drogendelikten - und ist derzeit das einzige Land, das auch Minderjährige hinrichten lässt. Pakistan ließ mehr als 320 Todesurteile vollstrecken - die höchste Zahl, die Amnesty jemals für das Land dokumentiert hat. In Saudi-Arabien wurden im Vorjahr zumindest 158 Menschen hingerichtet, in den meisten Fällen durch Enthauptungen.

Für China gibt es wie auch in den Jahren zuvor keine konkreten Zahlen, da Hinrichtungen dort als Staatsgeheimnis gelten. Amnesty befürchtet, dass im vergangenen Jahr in China erneut Tausende Menschen hingerichtet wurden. In den USA wurden 28 Menschen hingerichtet, die niedrigste Zahl seit 1991.

102 Staaten verzichten mittlerweile auf Todesstrafe
"Neben dem dramatischen Anstieg der weltweiten Hinrichtungszahlen gibt es auch eine sehr positive Entwicklung", sagt Patzelt: "Mit Fidschi, Madagaskar, der Demokratischen Republik Kongo und Surinam haben vier weitere Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Weltweit haben nun 102 Staaten diese menschenverachtende Strafe aus ihren Gesetzbüchern gestrichen."

Diese Staaten haben laut Amnesty die Todesstrafe vollständig abgeschafft, 32 weitere in der Praxis, aber nicht im Gesetz. Sechs Staaten sehen sie nur noch für außergewöhnliche Straftaten wie etwa Kriegsverbrechen oder Vergehen nach Militärrecht vor. Obwohl noch 58 Staaten weiter an der Todesstrafe festhalten, ist der Trend zu ihrer Abschaffung für Amnesty nicht mehr umzukehren.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).