Mo, 18. Dezember 2017

Stärkster seiner Art

27.03.2016 22:07

Mercedes-AMG C 63 S: Kombi zur Machtdemonstration

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: ein Mittelklasse-Kombi für Familien oder Menschen mit Platzbedarf - mit einem 510-PS-Biturbo-V8 unter der Haube! Der 4,0-Liter-Motor stammt aus dem Mercedes-AMG GT-S, doch die Optik des Mercedes-AMG C 63 S T-Modell ist weniger auffällig. Wobei - von einem Wolf im Schafspelz würde ich auch nicht gerade reden…

Man sieht dem Affalterbacher Lastesel schon an, dass er eher Araberhengst als Muli ist - überhören kann man es ohnehin nicht, egal ob der Schalter für die Auspuffklappen auf dezent oder auf Krawall steht. Der bravste Familienvater entdeckt seine proletoiden Züge spätestens dann, wenn er durch eine Tiefgarage rollt, auch wenn die Beifahrerin bei jedem Gasstoß die Augen verdreht.

Ansonsten drehen sich eher die Köpfe. Den Leuten taugt das Ding, mit seiner unauffälligen Art, auffällig zu sein. Wenn du mit einem AMG GT unterwegs bist, musst du immer drauf schauen, dass die Frisur sitzt und der Gesichtsausdruck passt, weil alles immer irgendwie ein Auftritt ist. Im C 63 Kombi ist das viel mehr wurscht. Mächtiger Antritt statt ewig währender Auftritt.

Und Antritt ist genau das Stichwort des Boliden mit Ladevolumen. Tritt aufs Gas und er tritt dir ins Kreuz. Da wird keine Zeit verloren, um auf einen 100er-Sprintwert von 4,1 Sekunden zu kommen. Den Tritt gibt es auch manchmal, wenn man einfach nur sanft anfahren möchte, das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist nichts fürs Kaffeekränzchen.

Echter Sportler trotz Kombi-Karosserie
Es muss einem schon auch klar sein, dass hier alles ernst gemeint ist. Nix Allradantrieb und so - hier geht die volle Kraft an die Hinterräder, also 700 Nm schon bei 1750/min. und darunter auch eine ganze Menge. Ernsthaft ist auch die Technik: mechanisches Sperrdifferential, beim S elektronisch gesteuert. Wer das ESP komplett deaktiviert, kann sich schneller eindrehen, als er "Vollkaskoversicherung" sagen kann - oder er kennt sich aus und lässt den Schwaben tanzen. Zwischen der Pampers-Stellung "Comfort" und dem Inferno gibt es eine Reihe von Eskalationsstufen, die man entweder als Modus abrufen oder individuell einstellen kann. Zum Beispiel so:

Die Lenkung ist jedenfalls feinfühlig genug, um jeden Spaß mitzumachen, zu dem einen das mörder Triebwerk mit den beiden zwischen den Zylinderbänken platzierten Turboladern verführt. Gut, 1725 kg Leergewicht ist nicht nichts, aber im Vergleich zum AMG GT S sind es nur 80 kg mehr. Das ist auch in Kurven okay, und die Beschleunigung ist sowieso erbarmungslos.

Ganz im Gegensatz übrigens zum Spritverbrauch. Bei normaler Fahrweise bin ich im Test auf 11,2 l/100 km gekommen, die natürlich problemlos in eine Region zu treiben sind, wo man sich einen Tank wünscht, in den mehr als 66 Liter Super plus passen.

Alltagsdinge gehören freilich auch besprochen: In den Kofferraum passen brauchbare 490 Liter; legt man (vom Kofferraum aus) die Rücklehnen flach, sind es 1510 Liter.

Auf den Vordersitzen fühlt man sich wohl, in die Türablagen passen 1,5-Liter-PET-Flaschen (allerdings geht dann das Handschuhfach nicht mehr auf) und das große Ablagefach unter dem Deckel in der Mittelkonsole ist absolut vorbildlich. Hinten hingegen ist im Testwagen (der mit Panorama-Schiebedach ausgestattet ist) die Kopffreiheit etwas eingeschränkt.

Reden wir über Geld. 101.990 Euro kostet der Mercedes-AMG C 63 S mindestens, beim Testwagen stehen 134.373 Euro im Vertrag. Warum? Es braucht halt doch noch eine Reihe Extras fürs volle Glück. Angefangen bei der AMG-Auspuffanlage mit den schaltbaren Klappen um 1500 Euro, das Head-up-Display zum gleichen Preis (HuD ist Pflicht, weil die digitale Tempoanzeige oft durch irgendwas überlagert wird, der analoge Tacho aber schlecht ablesbar ist). Alles muss natürlich auch nicht sein, so würde ich mir zum Beispiel den TV-Tuner sparen.

Unterm Strich
Der C 63 S ist ein ziemlich einzigartiger Kombi. Vergleichbares von Audi hat Allradantrieb, Vergleichbares von BMW gibt es nicht als Kombi und in Sachen Leistung kann sowieso niemand mithalten. Da könnte man sogar noch das "S" weglassen, damit auf 34 PS und 50 Nm verzichten und beim Grundpreis 10.000 Euro sparen. Nur: Wer sparen muss, ist hier am falschen Dampfer. Zum Preis des Testwagens bekommt man schon einen Mercedes-AMG GT-S. Auch das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Warum?

  • Weil er die immense Bandbreite von der Familienkutsche bis zum Supersportler bespielt
  • Weil der Sound die richtige Balance findet zwischen geil und nicht übertrieben

Warum nicht?

Hmmmmmmmm…

Oder vielleicht…

… doch keinen Kombi? Dann wäre jedenfalls die Auswahl größer. Sonst auf den Audi RS4 warten. Aber direkte Konkurrenz ist Mangelware.

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