Mo, 11. Dezember 2017

40 Jahre Haft

25.03.2016 10:07

Karadzic über sein Urteil: "Das ist katastrophal"

Der frühere Präsident der Republika Srpska in Bosnien, Radovan Karadzic, hat sich über seine Verurteilung zu einer 40-jährigen Haftstrafe durch das Haager Kriegsverbrechertribunal überrascht gezeigt. "Das ist katastrophal, ich kann nicht glauben, dass ein solches Urteil gefällt wurde", zitierte die Belgrader Tageszeitung "Vecernje novosti" den 70-Jährigen am Freitag. Sein Anwalt hat bereits Berufung angekündigt.

Das Urteil basiere auf Spekulationen und Indizien und nicht auf Tatsachen, meinte Karadzic demnach gegenüber seinem Anwalt Goran Petronijevic. Auch hätten die Europäische Union, das Gericht und die internationale Staatengemeinschaft selbst nach den Terrorangriffen in Paris und Brüssel nicht verstanden, womit die bosnischen Serben in den 90er-Jahren konfrontiert gewesen seien, versuchte Karadzic den Bosnienkrieg mit den jüngsten Terroranschlägen in Verbindung zu bringen.

Boulevardblatt: "Serbien von Den Haag vergewaltigt"
Empört über den Urteilsspruch zeigte sich auch die regierungsnahe serbische Boulevardzeitung "Informer": "Welche Schande, eine weitere schreckliche Ungerechtigkeit zum 17. Jahrestag der verbrecherischen NATO-Aggression", titelte das Blatt am Freitag. Serbien werde von Den Haag "vergewaltigt".

Mladic und Seselj warten noch auf ihre Urteile
Unaufgeregter gab sich der Großteil der übrigen Printmedien Serbiens. Die Tageszeitung "Blic" verwies darauf, dass im Laufe der Urteilsverkündung auch immer wieder der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, und der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj als für Kriegsverbrechen verantwortlich angeführt wurden. Das Urteil gegen Seselj soll nächsten Donnerstag verkündet werden, der Prozess gegen Mladic ist noch im Gange.

Kritik am Urteil auch aus Russland
Kritik am Urteil kam auch aus Russland, einem engen Verbündeten Serbiens. "Wir sagen seit Langem, dass die Arbeit des Internationalen Kriegsverbrechertribunals politisch motiviert ist. Alle Fälle, die dort verhandelt wurden, waren einseitig", sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am Freitag in Moskau. Und Leonid Kalaschnikow, der Vizevorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im russischen Parlament, sagte: "Das ist ein völlig einseitiges Vorgehen des Westens. Die Kosovaren, die man nicht braucht, hat man schon lange laufen gelassen, dagegen wird den Serben ein faires Gerichtsverfahren verweigert."

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