Do, 14. Dezember 2017

Happy Birthday

27.03.2016 16:20

BAP-Mastermind Wolfgang Niedecken wird 65

Die Hände in den Taschen, schlendert Wolfgang Niedecken durch den Rheinauhafen, ein glitzerndes neues Viertel zwischen der Kölner Südstadt und dem Fluss. Die Hochglanzfassaden scheint der Ur-Kölner, der am 30. März 65 wird, aber gar nicht zu bemerken. Er sieht etwas anderes: das raue Hafenviertel seiner Kindheit.

Das Größte für ihn war damals, seinen Vater, den Lebensmittelhändler Josef Niedecken, in die Speditionslager im Hafen zu begleiten. "Leider kam da immer nur die Dosenmilch an. Der Termin war vielleicht einmal im Monat. Aber wehe, wenn mein Vater mir nicht Bescheid gesagt hat! Ich war so was von stolz, wenn die Schranke hochging. Das war die ganz große Welt."

Milch und Heimat
An den unwahrscheinlichsten Orten hat sich der BAP-Sänger an den Laden seines Vaters erinnert gefühlt. Zum Beispiel dort, wo der Nil aus dem Victoriasee fließt. Da spazierte er durch die Gegend und dachte plötzlich: Was riecht denn hier so? Andere hätten vielleicht eher gefragt: Was stinkt denn hier so? "Aber für mich war das ein ganz wohliger Geruch, bei dem ich mich wie zu Hause fühlte. Ich bin weitergegangen, und dann sah ich, dass da Leute dabei waren, Milchkannen zu spülen. Der Geruch von Spülmittel und angesäuerter Milch hatte bei mir Heimatgefühle ausgelöst."

Das Lebensmittelgeschäft, der Großmarkt - es sind Erinnerungen aus den 50er-Jahren. "Verdamp lang her", könnte man da mit einem der bekanntesten BAP-Titel sagen. Aber Nachgrübeln über das Alter liegt dem Kölsch-Rocker nicht. "Es sei denn, ich stehe morgens vorm Spiegel, putze mir die Zähne und denke: 'Du sahst schon mal jünger aus.'"

Kölsch und Deutsch
Schon seit einiger Zeit nimmt er die Jahre nicht mehr als selbstverständlich hin. Der zweite Teil seiner Memoiren trug den Titel "Zugabe" - eine Anspielung auf den schweren Schlaganfall, den er 2011 erlitten hat. Damals musste er mühsam wieder Deutsch lernen - Kölsch dagegen sprach er, als wäre nichts gewesen. "Ja", sagt er, "ich weiß schon, wo ich hingehör."

Seit damals läuft bei ihm einiges anders. Er trinkt so gut wie keinen Alkohol mehr, treibt regelmäßig Sport. "Wenn ich mir so etwas vornehme, dann mache ich das auch", sagt er. "Ich kann schon konsequent sein. Das ist überhaupt das Paradeding seit meinem Schlaganfall: Ich bin entschlossener geworden. Vielleicht aus der Erkenntnis heraus, dass ich ja soviel Zeit auch nicht mehr habe."

Sack voller Erinnerungen
Von einer Aussichtsplattform aus blickt Niedecken über den Fluss. Als Kind war der Rhein für ihn das Symbol der Ferne. Stundenlang stand er mit seinen Freunden auf der Südbrücke und schaute den tuckernden Frachtern nach. In die eine Richtung fuhren sie auf die Berge zu, in die andere zum Meer. An heißen Sommerwochenenden übernachtete er mit seinen Eltern oft auf einem Campingplatz am Rheinufer. Er weiß noch, wie er abends in dem leer geräumten VW-Bus lag und vor dem Einschlafen auf das Stimmengemurmel der Erwachsenen und das Rauschen der Wellen lauschte.

Der Rhein. Als er 50 wurde, hatte er sich gewünscht, dass die Familie ihn irgendwo anders hin entführen sollte. "Das haben sie gemacht - nach Rom. Es war super. Dann kamen wir zurück - und da hatten sie noch eine Riesenfete organisiert - auf einem Rheinschiff." Diesmal hofft er, dass sich seine Familie "im Griff hat". Aber: "Ich kann mich da auf meine Frau in der Beziehung nicht unbedingt verlassen."

Das Feuer brennt
Nach dem Geburtstag geht er mit BAP auf Tournee. "Die Tour wird lang werden. Ich denke mal, dass wir bis in den Dezember reinspielen werden, wahrscheinlich sogar bis Weihnachten, natürlich mit Unterbrechungen. Das werden 60, 70 Konzerte werden." Er ist zufrieden damit, wie sich die Dinge seit seinem Solo-Album "Zosamme alt" von 2013 entwickelt haben. "Kann sein, dass ich irgendwann mal ganze Tourneen im Sitzen veranstalte, aber noch ist es nicht soweit."

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