Di, 12. Dezember 2017

Palmsonntag

20.03.2016 12:28

So starten die Steirer in die Osterwoche

Eine Brauchtumsreise durch die Steiemark: Wer (wie der Autor dieser Zeilen) kleine Kinder hat, der genießt die "heiligen Zeiten": erst das gespannte Warten aufs Christkind, dann die Vorfreude aufs eierschenkende Langohr. "Papa, wann kommt endlich der Osterhase?", bekommt man in diesen Tagen zu hören, und zwar nicht nur einmal.

Wie gut, dass der heutige Palmsonntag etwas Druck aus der Sache nimmt: Denn wenn die Zwergerln mit stolzgeschwellter Brust ihre bunten Palmbuschen zur Weihe tragen, dann ist das schon eine Mordsgaudi. Aber auch den Größeren taugt’s, wenn landauf, landab grüne Zweige des Lebens geschwenkt werden.

Die Landjugend Eibiswald etwa schleppt jedes Jahr einen gewaltigen Palmbuschen zur Kirche. 2015 war er 15 Meter lang, und die Burschen in ihren zünftigen Lederhosen kamen dabei ganz schön ins Schwitzen. Im Anschluss an die Prozession wird der segensreiche "Riese" auf dem Kirchplatz versteigert.

Gelebtes Brauchtum in der Karwoche

Gelebtes Brauchtum, das sich quer durch die besinnliche Karwoche zieht. In seinem Aufsatz "Osterbräuche im steirischen Ennstal" hat Alois Mandl einst geschrieben, man finde "in der Karwoche und an den zwei Osterfeiertagen beim steirischen Volke wohl die meisten und schönsten Bräuche des ganzen Jahres". Bei den jungen Obersteirern beliebt sind beispielsweise die Ratschen, welche die am Gründonnerstag in Richtung Rom abgeflogenen Kirchenglocken ersetzen sollen. Am Karfreitag sind Fleischspeisen tabu, stattdessen wird Fisch gegessen. Am Karsamstag wiederum bringt man die so genannten Weihscheitel, die einem Dreschflegel gleichen, zur Feuerweihe. Das gesegnete Holz wird anschließend mit den Palmzweigen aufbewahrt und soll Haus und Hof vor Unglück schützen.

Wenig später lädt die Kirche im ganzen Land zur Fleischweihe, in deren Rahmen der Pfarrer die Osterköstlichkeiten - in einem steirischen Korb liegt neben Geselchtem natürlich auch eine Krenwurzel - mit Weihwasser besprengt.

Während auf vielen Bergen des Oberlandes abends prächtige Osterfeuer entzündet werden, die weithin von der Auferstehung künden, beleuchtet man in der Süd- und Weststeiermark riesige Kreuze. Mit viel Leucht- und Ausdruckskraft grüßen außerdem Kelche, Monstranzen, Herzen und Kerzen, die in unzähligen Arbeitsstunden gefertigt wurden, von den Anhöhen. Und am Ostersonntag hat das laaaaaange Warten dann ein Ende - der Hase versteckt seine Nesterln. Mit oan Oa oder zwoa Oa drin…

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