Fr, 17. November 2017

Schreck im Mirabell

19.03.2016 13:22

ÖVP will „Casting“ für Straßenmusikanten

Leider gibt es enorme Unterschiede in der musikalischen Qualität einzelner Straßenmusikanten in Salzburg. Das musste jetzt auch Stadt-Chef Heinz Schaden bitter am eigenen Leib erfahren: Denn ein besonders talentfreier Musiker dudelt derzeit stundenlang ausgerechnet unter seinem Büro-Fenster.

Das habe aber laut Schaden rein gar nichts damit zu tun, warum er jetzt plötzlich eine strengere Verordnung für Straßenmusikanten anstrebt. Deutlicher wird da schon sein Stellvertreter Harald Preuner (ÖVP), dem die Geräuschkulisse gehörig auf die Nerven geht: "Ausgerechnet in einer Stadt, die wie kaum eine zweite für musikalische Hochkultur steht, wird man von bestimmten Straßenmusikanten mit etwas beschallt, das man im besten Fall nur noch als Lärm bezeichnen kann."

Modell in München könnte Pate stehen
Ausgelöst hat die Debatte "Salzburgs schlechtester Straßenmusikant": Ein Ziehharmonika-Spieler, der derzeit im Mirabellgarten - ausgerechnet unter den Fenstern der Politiker-Büros - immer nur die gleichen zwei, drei Töne spielt und das auch noch stundenlang. Folter für die Gehörgänge! Die ÖVP will daher, dass man künftig nicht nur die Orte festlegt, an denen gespielt werden darf, sondern auch sicherstellt wird, dass die Musik einen gewissen Mindeststandard an Qualität erfüllt. Vorbild für Preuner ist hier die bayerische Landeshauptstadt München. Deren Modell, das auch in Linz übernommen wurde, sieht nämlich vor, dass jeder Straßenmusikant, bevor er eine Genehmigung erteilt bekommt, vorab bei einer Behörde zum Vorspiel erscheinen muss.

Preuner zur "Krone": "Die Genehmigung soll dann nur noch erteilt werden, wenn der Musiker nachweislich dann mindestens drei verschiedene Musikstücke in seinem Repertoire hat und diese auch einigermaßen fehlerfrei beherrscht." Bürgermeister Schaden relativiert den Vorstoß ein bisschen. "In der Altstadt gibt es schon eine Regelung, wonach bestimmte Plätze nur zu einer bestimmten Zeit bespielt werden dürfen. Diese Regelung will ich jetzt auch auf den Mirabellgarten ausweiten." Hintergrund seien die Beschwerden von Stadtführer über den Ziehharmonika-Musiker. So weit wie die ÖVP will er aber nicht gehen und das Talent behördlich überprüfen lassen. Als Sofortmaßnahme lässt er aber im Mirabellgarten Hinweisschilder anbringen. Als einziger Politiker stellt sich nur Bürgerlisten-Stadtrat Johann Padutsch quer: "Eine zu restriktive Haltung gegenüber Straßenmusiker steht uns nicht gut zu Gesicht." Jetzt muss man dazu aber auch wissen, dass das Padutsch-Büro außerhalb der akustischen Reichweite des Ziehharmonika-Spielers liegt.

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