Di, 21. November 2017

150.000 Euro Kosten

11.03.2016 21:50

581 Flüchtlinge in Spitalsambulanzen

677.601 Patienten suchten 2015 die Ambulanzen des Landeskrankenhauses und der Christian-Doppler-Klinik auf. 50 Prozent von ihnen, so eine Studie, wären bei niedergelassenen Ärzten besser aufgehoben.

"Graue Theorie", ärgert sich Karl Schnell, Mediziner und Landtagsabgeordneter: "Die Versorgung wird ja besonders am Land, an den Wochenenden und während der Nachtstunden immer schlechter. In weiten Teilen Salzburgs bekommt man ab den Nachtstunden ja nur mehr telefonisch Hilfe und Ratschläge."

677.601 waren 2015 in Spitals-Ambulanzen
Die Statistik widerlegt allerdings die Landes-Aussagen von einem verstärkten Ansturm auf die Ambulanzen: Der war mit 694.338 Patienten (LKH und CDK) im Jahr 2014 noch deutlich höher als 2015. Besonders ins Gewicht fielen allerdings die 581 Flüchtlinge, die im letzten Quartal des Vorjahres ambulant versorgt wurden. Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Christian Stöckl listet in einer Anfragebeantwortung an Dr. Karl Schnell die Kosten dafür exakt auf: 152.544,66 Euro. Klingt nicht dramatisch, doch im Vergleich und aufs Jahr umgerechnet, übersteigt diese Summe den Etat zahlreicher Abteilungen: So stehen den Ambulanzen von Gefäß-Chirurgie, Orthopädie, Innere Medizin II, Urologie, Geriatrie oder Neurologie im Quartal weniger Mittel zur Verfügung als die oben genannten 152.544 €. So hatte die Neurologie-Ambulanz (ohne Personalkosten) 2015 ein Jahresbudget von 106.334 € zur Verfügung. Völlig im Dunkeln bleiben dabei die Kosten für stationäre Behandlungen von Flüchtlingen, sie scheinen bisher in keiner Statistik auf: Ein (falscher) Ebola-Alarm, Lepra-Fälle und TBC-Erkrankungen waren jedenfalls enorm kostenintensiv. Wie auch bei den Ambulanzfällen bleibt das Land (und somit der Steuerzahler) auf diesen Kosten sitzen.

Für Nicht-EU-Bürger gibt es keine Kosten-Statistik
Das Land ist darüber hinaus nicht imstande, die Kosten für die Behandlung all jener Patienten, die Nicht-EU-Bürger waren und deren Versicherungen die Kosten nicht beglichen haben, zu nennen. Man kennt lediglich die "Hitliste" und die Herkunftsländer: Die meisten dieser Ambulanz-Besucher kamen 2015 aus den USA (234), der Schweiz (180) und Saudi-Arabien (144).

Schnell für mehr Ärzte und weniger Verwaltung
Karl Schnell: "Die Ärzte im Spital werden ja immer weniger und die Verwaltung wird immer noch mehr aufgebläht. Und trotzdem bringt man hier keine ordentliche Statistik zusammen?" SALK-Kommentar: "Wir ersuchen um Verständnis dafür, dass zur Wahrung des effizienten Ressourceneinsatzes keine Erhebung dieser Kosten erfolgt. Dies würde einen überproportionalen Aufwand auslösen"

Bund soll neue Entgelte für Behandlung prüfen
In diesen Fällen wäre auch die Wiedereinführung der Ambulanzgebühr, über die man beim Land laut nachdenkt, keine Kostenbremse. Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Christian Stöckl: "So gut wie alle Spitäler Österreichs sind mit dieser Problematik konfrontiert. Möglich wären auch quartalsweise Selbstbehalte oder die Deckelung der Anzahl der in Anspruch genommenen Ärzte und Ambulanzen. Auch könnten einkommensabhängige Gebührenbefreiungen analog zu Rezeptgebühren umgesetzt werden." Der Bund solle dazu ein Konzept erstellen, so Stöckl.

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