Sa, 25. November 2017

Fünfter Jahrestag

11.03.2016 09:21

Schweigeminute für die 18.500 Toten von Fukushima

Fünf Jahre nach der von einem Erdbeben ausgelösten Tsunami- und Atomkatastrophe in Fukushima hat Japan am Freitag mit einer Schweigeminute der rund 18.500 Toten gedacht, die am 11. März 2011 ums Leben gekommen waren. Auch Kaiser Akihito, Kaiserin Michiko und Regierungschef Shinzo Abe, der trotz der Angst seiner Landsleute vor der Atomkraft den Neustart des Kernkraftprogramms mit Hochdruck vorantreibt, nahmen an einer Zeremonie in Tokio teil.

Im Atomkraftwerk Fukushima an der Ostküste war es zum Ausfall der Kühlsysteme gekommen, worauf mehrere Reaktorkerne schmolzen. Es war die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 mit weltweiten Konsequenzen, sie führte etwa auch zur Energiewende in Deutschland.

In Japan leben noch Zehntausende Menschen in provisorischen Unterkünften. "Ich fühle Schmerz in meinem Herzen, wenn ich an diejenigen denke, die noch nicht heimkehren konnten", sagte Kaiser Akihito beim Gedenken im Nationaltheater Tokios. "Ich hoffe, die Gesellschaft wird sich an uns erinnern, dass das Leben der Umgesiedelten noch sehr schwierig ist, auch finanziell", sagte Kazuko Nihei am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung in Tokio. "Hier wird auch an die Zusammenarbeit unter uns gedacht", sagte die 39-Jährige, die vor der atomaren Verseuchung mit ihren zwei Töchtern aus Fukushima in die Hauptstadt geflüchtet war und nun eine Selbsthilfegruppe für Mütter leitet.

NGOs rechnen mit 10.000 neuen Krebsfällen
Durch die Atomkatastrophe drohen der japanischen Bevölkerung nach Einschätzung zweier Nichtregierungsorganisationen in Zukunft rund 10.000 neue Krebsfälle. Wie die beiden Organisationen PSR und IPPNW, die vor allem Ärzte gruppieren und die Atomenergie ablehnen, kürzlich in einem Bericht erklärten, werden die gesundheitlichen Folgen des Unfalls Japan "noch jahrelang plagen". Dies dürfe von den Anhängern der Nuklearenergie "nicht unter den Teppich gekehrt werden".

Der Münchner Strahlenbiologe Edmund Lengfelder warf der japanischen Regierung am Freitag vor, die Bevölkerung "bewusst" über die Strahlenbelastung falsch informiert zu haben. Auch Tokio "war belastet", sagte er dem Sender Deutschlandradio Kultur. Greenpeace erklärte, weite Teile der Region Fukushima blieben trotz aller staatlichen Dekontaminierungsversuche verstrahlt. Dennoch plane die Regierung die Rücksiedlung der Bewohner, die sie so einem erhöhten Strahlenrisiko aussetzen werde.

Ministerpräsident Abe hält an Atomenergie fest
Dessen ungeachtet will Ministerpräsident Abe auch künftig an der Atomenergie festhalten. "Unser ressourcenarmes Land kann nicht ohne Atomkraft auskommen, um die Stabilität der Energieversorgung sicherzustellen", hatte er am Donnerstag bekräftigt. Auch das "das ökonomisch Sinnvolle" sowie die Frage des Klimawandels müssten beachtet werden.

Nach der Katastrophe waren zunächst sämtliche Reaktoren in Japan abgeschaltet worden, um sie verschärften Sicherheitsvorgaben anzupassen. Die Betreiberfirmen und Abe dringen seit Langem darauf, die Reaktoren wieder hochzufahren. Am Mittwoch hatte ein Gericht die Abschaltung von zwei seit dem Unglück wieder hochgefahrenen Reaktoren angeordnet, da sie nicht den verschärften Sicherheitsregeln entsprächen.

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