Di, 21. November 2017

1:0 für KI

09.03.2016 09:39

Computer gewinnt Auftakt-Match gegen Go-Champion

1:0 für künstliche Intelligenz: Im Go-Brettspielduell des Computers AlphaGo gegen den Weltmeister Lee Sedol hat die Maschine die Auftakt-Partie gewonnen. Nach dreieinhalb Stunden erklärte sich Lee für geschlagen, da er keine Siegeschancen mehr sah. Insgesamt geht das Duell in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul über fünf Partien.

Lee Sedol zählt zu den weltbesten Spielern. Der Sieg von AlphaGo gilt daher als Meilenstein in der Entwicklung selbstlernender Maschinen und künstlicher Intelligenz. Lee, der schon mit zwölf Jahren Profi wurde, machte sich im Vorfeld klare Hoffnungen auf einen Gesamtsieg. Er räumte zwar ein, dass Menschen eher Fehler machten als Maschinen. Zugleich erklärte er, auch nur eine Partie zu gewinnen, wäre schon ein Sieg für den Computer.

Nach einem konventionellen Anfang fiel schon der vierte Zug von Lee ungewöhnlich aus. "Er versucht, den Computer über die Datenbanken hinauszubringen", sagte Go-Profi Michael Redmond, der das Spiel in der YouTube-Übertragung kommentierte. In die Software wurden Millionen Spielzüge der besten Spieler eingespeist. Sie greift darauf zurück, um die wahrscheinlichen nächsten Züge des Gegners vorherzusagen und gezielt nach Antworten darauf zu suchen. Auf einem Spielbrett mit 361 Feldern wäre sonst die Vielzahl der möglichen Varianten auch für einen modernen Computer nicht schnell genug zu berechnen. Die Spieler haben in dem Match jeweils zwei Stunden Zeit pro Partie für ihre Züge.

Erste Unruhe nach zweieinhalb Stunden
AlphaGo ließ sich von Lees Trick-Zug aber nicht überrumpeln und spielte ungewöhnlich offensiv für einen Computer, erklärten Experten. Die Kontrahenten kamen in einen zähen Positionskampf, der sich von der oberen Hälfte des Bretts in die Mitte ausbreitete. Nach zweieinhalb Stunden zeigte der zuvor weitgehend regungslose Lee erste Anzeichen von Unruhe.

Zunächst verbrauchten AlphaGo und Lee ihre Zeit weitgehend gleichmäßig - bis jeweils 45 Minuten übrig blieben. Danach machte Lee seine Züge viel schneller, zum Teil binnen weniger Sekunden. Als er aufgab, hatte er noch 28 Minuten und 28 Sekunden auf der Uhr übrig und AlphaGo fünf Minuten und 30 Sekunden.

Ausgang "große Überraschung"
Lange Zeit hatten Go-Experten auf der Google-Videoplattform YouTube von einem "engen Spiel" zwischen AlphaGo und Lee gesprochen. Chris Garlock vom amerikanischen Go-Verband nannte den Ausgang eine "große Überraschung". Bis 15. März werden die fünf Spiele des Wettkampf bei YouTube übertragen. Die nächste Partie wird am Donnerstag live auf YouTube übertragen. Es geht dabei auch um ein Preisgeld von einer Million Dollar - im Falle eines Gesamtsiegs des Computers wird das Geld gespendet.

AlphaGo ist eine Entwicklung von Google Deepmind, der Computer hatte im Oktober bereits den dreifachen Go-Europameister Fan Hui bezwungen. Lee - der 18 internationale Titel gewann - liegt allerdings in der Rangfolge der Schwierigkeitsgrade weit vor Fan und hatte sich deswegen auch siegessicher gezeigt. Er werde "haushoch" gewinnen, hatte der 30-Jährige noch im Februar angekündigt.

Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go sind im Prinzip einfach: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett - ein Gitter von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien - Gebiete zu erobern. Dafür setzen sie abwechselnd schwarze und weiße Steine. Komplett eingekreiste Steine des Gegners werden vom Brett genommen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden