Fr, 24. November 2017

„Krone“-Interview

09.03.2016 08:15

Hannelore Elsner: „Ich will meine Melodie finden“

Hannelore Elsner (73) blätterte gestern bei einem von der "Krone" präsentierten Abend im Oberbank Donau-Forum in Linz in ihrer Autobiografie "Im Überschwang". Zuvor strich die berühmte deutsche Schauspielerin im Interview die Verbindung zwischen Leben und Spielen heraus, schwärmte von ihrer Kindheit in Bayern und versprühte unbändige Lebenslust.

"Krone": Welche Rollen sind für Sie besonders reizvoll?
Elsner: Ich gehe nicht herum und suche mir irgendwelche Rollen. Im Laufe der Zeit, vor allem in den letzten 20 Jahren, war es so, dass die richtigen Rollen zu mir gekommen sind. Ob eine Rolle wirklich zu mir gehört und ich sie erfüllen oder verkörpern kann, das weiß ich vorher gar nicht so genau. Das erlebe ich erst, während ich sie spiele.

"Krone": Fließen Leben und Schauspiel denn ineinander?
Elsner: Ich werde immer wieder gefragt, wie ich mein Leben lebe. Immer wieder muss ich es in allen möglichen verschiedenen Variationen erzählen. Aber: Die Leute müssen sich nur meine Filme anschauen, dann wissen sie sehr viel über mich. Es wird ja alles von mir für eine Rolle zur Verfügung gestellt. Und ich gehe in jede Figur sehr, sehr tief hinein.

"Krone": Wie ist Ihre Autobiografie eigentlich entstanden?
Elsner: Zuerst muss man einmal leben, will man ein Buch darüber schreiben. Viele Verlage haben mich wegen einer Autobiografie angefragt, aber ich weigerte mich lange. Als sie mir einen Ghostwriter verpassen wollten,  sagte ich: Gut, ich mach's! Aber ich will meine eigene Sprache finden. Ich will meine eigene Melodie. Und ich schrieb eben jene Geschichten auf, die mir eingefallen sind. Ich schrieb alles mit der Hand. Am Computer kann ich das nicht. Und das Schreiben ging nur in Zeiten, in denen ich nicht drehte. Ich schrieb nie zu Hause, sondern an neutralen Orten, wo ich nicht abgelenkt war.

"Krone": Sie sind ein großer Star, wie sind Sie vorgegangen, um Privates zu schützen?
Elsner: Alles, was ich geschrieben habe, ist wahr. Ich habe nichts beschönigt. Und alles, was nicht drinnen steht, habe ich eben nicht aufgeschrieben.

"Krone": Sie kommen aus Burghausen nahe der Grenze zum Innviertel. Mögen Sie Österreich?
Elsner: Ich bin eine Bayerin, aber ich bin auch eine halbe Österreicherin, weil mein Vater aus Salzburg war. Aber trotzdem habe ich nicht viel damit zu tun. Was ich an Österreich mag, ist vielleicht dieses Schräge, da rede ich vom österreichischen Kino. Ich mag dieses völlig unverschämt Direkte. Ob die Österreicher auch so sind, weiß ich nicht. Manchmal geht mir der Slang furchtbar auf die Nerven (lacht). Und ich liebe Rindfleisch mit Kren, wie es hier gemacht wird.

"Krone": Sie haben einmal geschrieben, dass Sie immer die beste Geliebte, die beste Ehefrau, die beste Mutter und Schauspielerin sein wollten. Ist das ein Frauenschicksal?
Elsner: Natürlich! Und es war in der "Mittelzeit" meines Lebens, also im Alter zwischen 35 und 55, so. Da ist viel passiert, auf einmal erfüllten sich Träume oder auch nicht. Ich sehe heute die jungen Frauen, denen geht es auch so. Aber nach diesem Abschnitt beginnt ein neues Leben, man kommt wieder nach vorne.

"Krone": Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?
Elsner: Ich werde einfach älter! Wie soll man damit umgehen? Nicht sterben vielleicht? Ich wurde mit 24 schon gefragt, ob ich nicht Angst davor hätte, 25 zu werden. Einmal haben sich Medienleute zwei Jahre verzählt. Ich konnte mit meiner Familie ungestört meinen 50er feiern. Als ich dann wirklich 50 wurde, nahm ich es gelassen.

"Krone": Sie haben ihren ersten Film 1959 gedreht. Ist das Business heute anders?
Elsner: Ich mache auch heute nur gute Filme. Und bin genauso leidenschaftlich wie früher dabei. Alles, was ich brauche am Set, ist ein stilles Wasser und eine Ecke, in die ich mich zurückziehen kann.

"Krone": Was kommt als nächstes?
Elsner: Es ist einiges in Entwicklung. Aktuell kommt "Hannas schlafende Hunde" ins Kino. In dem Film von Andreas Gruber spiele ich eine der Hauptrollen, wir drehten auch in Linz und Wels.

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